UN-Atombehörde : Schwierige Wahl: Noch kein Nachfolger El Baradeis in Sicht

Die Internationale Atomenergiebehörde muss bei der Suche nach einem neuen Generaldirektor wieder von vorne beginnen: Bei der Abstimmung in Wien konnte erneut keiner der Kandidaten die nötige Mehrheit erreichen - wer nun in die Fußstapfen des Friedensnobelpreisträgers Mohamed El Baradei treten soll, bleibt völlig ungewiss.

Christian Fürst[dpa]

Wien Der Südafrikaner Abdul Samad Minty (69) machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl; sein japanischer Konkurrent blieb nach dem erfolglosen Wahlgang dagegen stumm: Mit starrem Gesichtsausdruck verließ Yukiya Amano (61) am Freitag den Konferenzsaal des Gouverneursrats der UN-Atombehörde IAEA in Wien. Nur eine der 35 Delegiertenstimmen hatte dem Abrüstungsexperten am Freitag zur nötigen Zweidrittel-Mehrheit bei der Wahl zum Nachfolger von IAEA-Generaldirektor Mohammed el Baradei gefehlt.

Dabei hatten sich japanische Diplomaten vor der Sondersitzung des IAEA-Gouverneursrats siegesgewiss gegeben. Die Hoffnung, dass Asien nach dem Posten des UN-Generalsekretärs nun auch den vielleicht zweitwichtigsten Job der Völkergemeinschaft gewinnen könnte, war groß. Doch am Ende langte die Ausstrahlung des erfahrenen Diplomaten nicht aus. Minty, einstiger Kämpfer gegen die Apartheid und überzeugter Atomwaffengegner, galt von Anfang an als chancenlos. Zu offen war der Diplomat immer wieder für die Rechte der atomaren Habenichtse in der internationalen Atomgemeinschaft aufgetreten.

Doch erfolglose Wahlgänge sind bei der IAEA, die der Welt bei der friedlichen Nutzung der Atomkraft helfen und ihren Missbrauch verhindern soll, nicht ungewöhnlich. So wurde auch Amtsinhaber El Baradei im Juni 1997 erst im zweiten Wahlgang gewählt, und sein Vorgänger, der Schwede Hans Blix, erhielt 1981 gar erst in letzter Minute die erforderliche Mehrheit.

Schwierige Suche nach mehrheitsfähigem Kandidaten

Die im Gouverneursrat vertretenen Staaten haben nun noch bis September Zeit, sich auf einen mehrheitsfähigen Kandidaten zu verständigen. Die amtierende Ratsvorsitzende, Taous Ferukhi wird nach den Statuten der IAEA schon in der kommenden Woche einen neuen Wahlgang ausschreiben, für den neue Kandidaten nominiert werden können. Ferukhi selbst wird dann vermutlich versuchen, einen Kandidaten zu finden.

Dass dies eine schwierige Aufgabe wird, ist der Algerierin klar. Denn der scheidende IAEA-Chef und Friedensnobelpreisträger El Baradei hat in den vergangenen Jahren durch sein Auftreten zu einer gewissen Polarisierung in der Atombehörde beigetragen. Vor allem die USA und die Europäer wünschen sich nach dem nicht immer diplomatischen Diplomaten aus Ägypten einen weniger politisierten Nachfolger.

Der japanische Kandidat Amano, der voraussichtlich auch bei der nächsten Runde im Juni noch einmal antreten wird, hatte dies bereits in den Monaten vor dem ersten Wahlgang für den Fall seiner Wahl zugesagt. Doch die kleineren, und weniger mächtigen Mitgliedsländer der IAEA wünschen gerade dies: Einen engagierten Sprecher für die atomaren Interessen der wirtschaftlich Schwächeren in der Atombehörde, die sich von den USA und der EU oft bevormundet fühlen. Ob dabei am Ende ein Kompromisskandidat aus Lateinamerika oder etwa ein Experte wie der ungarische Chef der UN-Teststopp-Behörde CTBTO, Tibor Toth, in El Baradeis Fußstapfen treten wird, ist völlig ungewiss.

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