Politik : UN-Bericht: Beamter wurde bestochen

Harald Schumann

Berlin - Ein Haus in Long Island auf Kredit, eine Luxuswohnung in Manhattan zur Miete und eine konsumfreudige Ehefrau – es war der Lebensstil der New Yorker Upper Class, der Benan Sevan ins Unglück trieb. Als der heute 67-jährige Zypriote im Oktober 1997 nach dreißig Jahren als UN-Beamter zum Chef des Irak-Hilfsprogramms „Öl für Lebensmittel“ aufstieg, stand ihm das Wasser bis zum Hals. 198 Mal hatten er und seine Frau seit 1996 ihre Konten überzogen. Und das „war auch so, als er im Juni 1998 in den Irak reiste und Ölminister Raschid um die Zuteilung einer Ölexportlizenz bat“.

So beschreibt der jüngste Bericht der UN-Ermittlungsgruppe zum Skandal um das Irakprogramm den Weg des Benan Sevan in den Sumpf der Korruption. Nunmehr halten die Ermittler unter Leitung des früheren US-Notenbankchefs Paul Volcker für erwiesen, dass ausgerechnet der Leiter des UN-Programms selbst von der Praxis des Hussein-Regimes profitierte, mit der Zuteilung von Exportlizenzen politische Unterstützung zu kaufen. Zwar gingen die Erlöse aus dem Ölverkauf auf ein Treuhandkonto der UN, die damit die Lieferung von Hilfsgütern in den Irak bezahlte. Doch über die Differenz zwischen Export- und Weltmarktpreis konnten die Begünstigten hohe Gewinne einstreichen.

Im Fall Sevan besorgte dies die Genfer Ölhandelsfirma Amep des Ägypters Fakhry Abdelnour. Der verdiente – auf Drängen Sevans in Bagdad – mit dem Verkauf von irakischem Öl zwischen 1998 und 2001 risikofreie 1,5 Millionen Dollar. Gut ein Drittel davon floss auf das Konto einer Tarnfirma namens Caisor Services in Genf, das von einem Freund Sevans verwaltet wurde, der zugleich bei der Amep angestellt war. So besserte sich alsbald die Finanzlage der Sevans, weil sie von ihren Reisen nach Genf häufig einen Stapel 100-Dollar-Noten mitbrachten und in New York insgesamt 147184 Dollar in bar zur Bank trugen.

Um der Aufhebung seiner Immunität zuvorzukommen, kündigte Sevan bereits am Sonntag seinen bisher noch formal geltenden Status als UN-Beamter. Unklar ist, ob er nun in den USA vor Gericht gestellt werden kann oder ob zypriotische Behörden den Fall übernehmen.

Sevan warf Generalsekretär Kofi Annan vor, er habe ihn als „Sündenbock“ den amerikanischen UN-Kritikern geopfert. Doch Annan ist selbst weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Der Vorwurf, die Schweizer Inspektionsfirma Cotecna habe 1998 einen Irakauftrag bekommen, weil Annans Sohn Kojo als Berater die Fäden zog, ist nicht vom Tisch. Eine E-Mail des Firmenchefs lässt den Schluss zu, Vater Annan könnte entgegen seinen Beteuerungen Einfluss genommen haben.

Einen Bericht mit weiteren Details zum Fall Annan kündigte das Volcker-Komitee für Anfang September an. Darin soll auch die Rolle des Sicherheitsrates bewertet werden. Dem waren die illegalen Einnahmen des Regimes aus dem Öl-für-Lebensmittel-Programm jahrelang bekannt. Gleichwohl blieben die Ratsmächte tatenlos, weil Saddam ohnehin mit dem Ölschmuggel über die US-Verbündeten Jordanien und Türkei viele Milliarden verdiente. Ein letzter Bericht soll Anfang Oktober schließlich über die Lieferanten von Hilfsgütern berichten, die bereit waren, den Auftraggebern in Bagdad dafür Zahlungen zu leisten. An den Lieferungen waren auch 148 Unternehmen aus Deutschland beteiligt.

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