Politik : UN-Diplomat Präsident in Slowenien

Thomas Roser

Belgrad - Die Slowenen haben einen Politikneuling als Staatsoberhaupt gekürt. Der Völkerrechtler und frühere UN-Diplomat Danilo Türk, der von der linken Opposition nominiert wurde, will ein Landesvater des Konsenses sein – und verspricht frischen Wind.

Nur ein präsidiales Lächeln huschte ihm über das Antlitz, als Türk seinen Erdrutschsieg bei der Stichwahl der Präsidentenkür kommentierte. Über zwei Drittel der Wähler stimmten für den vor kurzem noch weitgehend unbekannten Politikneuling. Als reine Protestwahl gegen die konservative Regierung des unpopulären Janez Jansa wollte der von den Sozialdemokraten nominierte Türk seinen Erfolg aber keineswegs gewertet wissen. Bei Präsidentenwahlen stehe immer „das Ganze“ im Vordergrund, dozierte der parteilose Juraprofessor. Seine Landsleute hätten seine „Standpunkte und Leistungen offenbar verstanden“: „Der Wunsch nach etwas Neuem war sehr stark.“

Angesichts einer politischen Elite, die sich „zu gut“ kenne, brauche Slowenien „frische Gesichter“, kommentierte die Zeitung „Vecer“ den „Routinesieg“ des als Außenseiter gestarteten Türk. Ein neues Gesicht ist der 55-Jährige auf der kleinen Politbühne des EU-Musterknaben sicher: Jahrelang war der Assistent des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan in den Hallen der UN in New York wesentlich bekannter als in seiner Heimat.

Um für eine „bessere und fairere Welt“ zu streiten, hat Türk nach eigenem Bekunden einst Völkerrecht studiert. In den 80er Jahren engagierte er sich bei Amnesty International. Er prangerte in dieser Zeit vor allem Menschenrechtsverletzungen in Ex-Jugoslawien an. 1983 wurde der Jurist Leiter des Instituts für Internationales Recht in Ljubljana. Nach der Unabhängigkeit Sloweniens ging er 1992 als Botschafter seines Landes zu den Vereinten Nationen. Annan ernannte den ambitionierten Diplomaten im Jahr 2000 zu seinem Assistenten. Nach einer fehlgeschlagenen Bewerbung für den Posten des Untergeneralsekretärs brach der enttäuschte Türk 2006 seine Zelte in New York ab. Mit Frau und Tochter kehrte er nach Slowenien zurück und übernahm den Lehrstuhl für Völkerrecht an der Universität in Ljubljana.

Er habe zwar mehr als 100 Staats- und Regierungschefs persönlich kennengelernt, doch ein Berufspolitiker sei er nicht, präsentierte er sich im Wahlkampf erfolgreich als weltgewandter Mann des Ausgleichs: „Ich bin ein Mann des guten Willens und des Kompromisses. Und diese Qualitäten fehlen meiner Meinung nach in Slowenien.“ Thomas Roser

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben