Politik : UN erheben im Mordfall Bhutto heftige Vorwürfe gegen Pakistan

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Neu-Delhi - Seit mehr als zwei Jahren wird gerätselt, wer hinter dem Mord an Pakistans Oppositionsführerin Benazir Bhutto am 27. Dezember 2007 in Rawalpindi steckt. Neun Monate ermittelte ein dreiköpfiges UN-Sonderteam, nun legte es seinen 65-seitigen Abschlussbericht vor.

Doch auf die Frage „Wer war es?“ bleiben die Ermittler eine Antwort schuldig. Aber sie legen nahe, eine Verwicklung von Pakistans Militär und Geheimdienst ist nicht auszuschließen. Auch der ehemalige Militärherrscher Pervez Musharraf erscheint in keinem guten Licht: Zwar bezichtigen die Ermittler ihn und seine Regierung in dem Bericht nicht der Tat, aber sie werfen ihm tödliche Versäumnisse vor: Sein Regime hätte den Mord verhindern können, wenn es Bhutto besser geschützt hätte. Ihr Personenschutz sei „verhängnisvoll unzureichend“ gewesen. „Die Regierung von General Musharraf wusste von den ernst zu nehmenden Drohungen gegen Frau Bhutto, tat aber wenig mehr, als diese an sie und die Provinzregierung weiterzureichen.“ Auch Bhuttos eigene Partei, die PPP, habe nicht für wirksamen Schutz gesorgt.

Zudem hätten die Sicherheitsbehörden offenbar keinerlei Interesse gehabt, ernsthaft nach den Drahtziehern, Planern und Geldgebern des Attentats zu fahnden. Der Geheimdienst habe sogar die UN-Nachforschungen erheblich behindert, klagte der chilenische UN-Botschafter Heraldo Muñoz, der das Team leitete. Mögliche Spuren seien in hochverdächtiger Eile und offenbar gezielt vernichtet worden – von der Polizei selbst: Der Polizeichef von Rawalpindi ließ den Tatort schon zwei Stunden nach dem Mord mit Wasser abspritzen und mögliche Beweise vernichten. Die UN-Ermittler sind überzeugt, dass der Polizeichef nicht auf eigene Faust handelte, sondern ihm dies von „höherer Seite“ befohlen wurde. Selbst die übliche Obduktion der Leiche unterließ die Polizei. Bis heute ist nicht einmal gesichert, woran Bhutto starb. War es eine Kopfverletzung, die sie sich beim Sturz im Wagen zuzog? Oder doch eine Kugel? Zunächst waren Schüsse abgefeuert worden, dann hatte sich ein 15-jähriger Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Videos zeigen zudem einen Mann mit Sonnenbrille, der angeblich auf Bhutto schoss und wie ein Profikiller wirkte.

Ihren Verdacht, dass Musharraf den Mord nicht aufklären wollte, sehen die Ermittler auch dadurch genährt, dass er schon am folgenden Tag den heute toten Taliban-Führer Baitullah Mehsud zum Schuldigen stempelte – ohne Beweise. Der aber hat den Mord stets bestritten.

Ein Sprecher Musharrafs wies die Vorwürfe umgehend zurück. Diese seien „lächerlich und eine Lüge“. Vertraute Bhuttos forderten weitere Ermittlungen, um die Täter zu finden. Doch die Beweislage ist dürftig. Christine Möllhoff

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