Politik : UN-Ermittler: Zentrale Steuerung der Gewalt

PRISTINA (AFP). Die Ermittler des UN-Kriegsverbrechertribunals gehen davon aus, daß die Greueltaten im Kosovo zentral gesteuert wurden. Dieses Ausmaß der Zerstörung innerhalb einer relativ kurzen Zeit von acht Wochen könne nur von einer zentralen Kommandostruktur koordiniert worden sein, wie sie in Militär und Polizei üblich sei, sagte der Ermittler Paul Risley am Donnerstag in Pristina. Seinen Angaben zufolge sammeln die UN-Experten derzeit zahlreiche Beweise für den Kriegsverbrecherprozeß gegen den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und vier seiner engsten Mitarbeiter. Es sei mit weiteren Anklagen gegen die Belgrader Führung und Verantwortliche in Polizei und Militär zu rechnen.Risley zeigte sich "schockiert" angesichts der vorgefundenen Hinweise auf Greueltaten. Hunderte von Dörfern seien bis auf die Grundmauern zerstört, es gebe eine "substantielle Anzahl" von Massengräbern - weit mehr als die sieben, die anhand von Flüchtlingsberichten zunächst dokumentiert worden seien. Täglich kämen Informationen über weitere Massaker hinzu. Im Kosovo sei die Kampagne gegen die Kosovo-Albaner mit solcher Schnelligkeit und brutaler Effizienz geführt worden, daß sie die Grausamkeiten in Bosnien-Herzegowina und Kroatien übertreffe. Risley zufolge wurden die meisten Gewalttaten in den Tagen nach Beginn der Nato-Angriffe verübt.

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