Politik : UN-Flüchtlingshilfswerk: Von Europas Nothelfer zur Welt-Feuerwehr

Anne-Beatrice Clasmann

Als "unpolitische" Organisation, die sich um eine Million Verfolgte und Kriegsvertriebene in Europa kümmern sollte, wurde das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) 1950 aus der Taufe gehoben. Mittlerweile, am 14. Dezember jährt sich ihre Gründung zum 50. Mal, steht die Organisation mit ihren 5000 Mitarbeitern weltweit als "humanitäre Feuerwehr" bereit, wenn es darum geht, Krisen wie die Massenfluchten aus Ruanda und dem Kosovo oder die Vertreibung aus Ost-Timor zu bewältigen.

Das Leid der vietnamesischen Boat-People oder die Angst der Kurden im Nordirak wären ohne die Unterstützung des UNHCR sicher noch größer gewesen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk versucht stets, Druck auszuüben, damit kein Land seine Grenzen für Vertriebene schließt, so wie zum Beispiel im November 1978, als die Behörden Malaysias in Port Klang einen Frachter mit 2500 Vietnamesen an Bord zurückschicken wollten. Manchmal geraten die UNHCR-Mitarbeiter beim Versuch, Flüchtlinge vor ihren Verfolgern zu schützen, selbst in die Schusslinie. Erst im vergangenen September wurden bei einem wohl politisch motivierten Überfall auf UNHCR-Büros in West-Timor drei Flüchtlingshelfer getötet. Das UNHCR hatte bei der indonesischen Regierung zuvor darum ersucht, gegen Einschüchterungsversuche pro-indonesischer Milizen in den Flüchtlingslagern vorzugehen.

Das UNHCR leidet an chronischem Geldmangel. Vor zwei Wochen musste das Flüchtlingshilfswerk, das inzwischen einen Jahresetat von rund einer Milliarde Dollar hat, erstmals in seiner Geschichte Geld aus seiner eisernen Reserve für Notzeiten entnehmen. Besonders bei Flüchtlingskatastrophen in Afrika sei die Spendenbereitschaft gering, beklagt die Organisation. Während die Hilfsgelder für die Versorgung der Kosovo-Vertriebenen 1999 schnell eintrafen, hatte das UNHCR gleichzeitig große Mühe, Projekte für Bürgerkriegsflüchtlinge aus westafrikanischen Ländern zu finanzieren. Das Fazit der scheidenden Hochkommissarin für Flüchtlinge, Sadako Ogata: "Unglücklicherweise fehlt die internationale politische Bereitschaft zur Bewältigung humanitärer Krisen in manchen Regionen, die als strategisch weniger wichtig angesehen werden."

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben