UN-Generalsekretär : Eine Frage des Stils

Ban hier, Ban dort - der Mann hastet sei mehr als zweieinhalb Jahren um den Globus. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sieht sich als Weltenretter – Kritiker werfen ihm Selbstherrlichkeit vor.

Jan Dirk Herbermann[Genf]
Ban
Ban Ki Moon in Sri Lanka -Foto: dpa

Ban Ki Moon hat sich warm angezogen: Der Generalsekretär der Vereinten Nationen stapft dieser Tage durch die eisige Region im nördlichen Norwegen. Auf Spitzbergen und im Blitzlichtgewitter internationaler Medien hofft der UN-Chef auf neue Erkenntnisse über den „Klimawandel in der Arktis“. Nach dem Trip in die Kälte jettet Ban nach Genf: Bei einer UN-Klimakonferenz will er der Welt ins Gewissen reden: Man habe nur noch wenige Monate, um sich selbst zu retten. Im Dezember müssten die Staaten in Kopenhagen ein neues Klimaabkommen festzurren. In Dänemarks Kapitale will Ban mit von der Partie sein. Bans Traum: Seine Amtszeit als UN-Generalsekretär wird durch den wegweisenden „Kopenhagen- Vertrag“ gekrönt.

Ban hier, Ban dort. Der Mann an der UN-Spitze hastet sei mehr als zweieinhalb Jahren um den Globus, versucht sich als Krisenmanager, als jemand, der Initiativen startet. Ban der Weltenretter. Doch bislang fällt seine Bilanz mager aus. Einen durchschlagenden Erfolg hat der seit 2007 amtierende UN-Chef nicht gemeldet. Und jetzt eskaliert die Kritik am Generalsekretär. In einem Memorandum der norwegischen UN-Botschaft bekam Ban einiges zu hören. „In einer Zeit, in der die UN und multilaterale Lösungen zur Bewältigung globaler Krisen nötiger als jemals zuvor sind, machen sich Ban und die UN durch Abwesenheit bemerkbar“, heißt es in dem Schreiben. Ban, eine Person mit Mangel an „Charisma“, suche in selbstverliebter Art das Rampenlicht. Hinter verschlossenen Türen aber schockiere er seine Mitarbeiter durch fulminante Zornesausbrüche.

Ist Ban ein inkompetenter, mediengeiler Wüterich? In seiner öffentlichen Reaktion auf das Brandmemo blieb der Asiat zunächst ziemlich cool. „Prinzipiell begrüße ich Kritik“, sagte Ban mit dem immer selben Gesichtsausdruck, halb freundlich, halb abweisend. Mit leiser Stimme fügte er hinzu: „Kritik, wenn sie konstruktiv ist, hilft mir.“ Dann kam doch noch der Trotz durch. Ban: „Ich habe mein eigenes Charisma, ich habe meinen eigenen Führungsstil“.

Intern flogen die Fetzen. Ban, so heißt es in UN-Kreisen, bebte vor Wut, als ihn die Kunde über sein angebliches Rundumversagen erreichte. Kurz erwog das Team des Generalsekretärs die Reise nach Spitzbergen platzen zu lassen – quasi ein Denkzettel für die unbotmäßigen Norweger. Doch Bans Berater erkannten: Eine Absage hätte die unangenehme Geschichte über das Memo weiter angeheizt.

Schwerwiegender dürfte sein, dass seine Autorität schwindet und ihm erschwert, beim Klimaschutz zögernde Nationen zur Räson zu bringen. Womöglich hat es mit Bans Autoritätsverlust zu tun, dass die deutsche Kanzlerin, Angela Merkel, zu Bans Klimagipfel im September gar nicht erst anreist. Sie schickt Umweltminister Sigmar Gabriel nach New York.

Verärgerung über Ban herrscht vor allem unter den tausenden Mitarbeitern am Verwaltungssitz New York. Er hatte die UN-Reform zu seiner Priorität erklärt und versprochen, mit der Bürokratie aufzuräumen und ein besseres Arbeitsklima zu schaffen. Davon sei wenig zu merken, heißt es in der Belegschaft. Von diplomatischer Seite muss sich der UN-Chef schwere Kritik an seinen Kontakten zu autokratischen Führern in Ländern wie Birma, Sri Lanka und dem Sudan gefallen lassen. Als Beispiel gilt die Schlappe, die Ban mit seinem Besuch bei Birmas Führer Than Shwe erlebte. Ohne auch nur für eine einzige seiner Forderungen Gehör zu finden, musste Ban wieder abreisen.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben