Politik : UN-Gericht erlässt lange Haftstrafen für bosnische Serben

Klaus Bachmann

Das UN-Gericht zur Aburteilung von Verbrechen im früheren Jugoslawien hat am Dienstagnachmittag sein erstes Urteil über die Kommandanten des berüchtigten serbischen Konzentrationslagers Keraterm in Bosnien gesprochen. Dabei verurteilte es den Lagerleiter Dusko Sikirica zu 15 Jahren Gefängnis, während seine Untergebenen Damir Dosen und Dragan Kolundzija jeweils 5 und 3 Jahren Freiheitsentzug erhielten. Das Gericht blieb dabei unter der Forderung der Anklage, die für alle drei Angeklagte jeweils zwei Jahre mehr gefordert hatte. Die Angeklagten hatten sich zu einem früheren Zeitpunkt des Verfahrens des Anklagepunktes "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" für schuldig erklärt, worauf die Anklage ihre Strafforderung reduziert und auf die restlichen Anklagepunkte verzichtet hatte, darunter den Vorwurf des Völkermords und der Beihilfe dazu im Bezug auf den Hauptangeklagten Sikirica.

Sikirica hatte im Lauf des Prozesses die verbleibenden Anklagepunkte zugegeben und Reue bekundet, was ihm das Gericht zugute hielt. Als erschwerend wertete es die herausragende Stellung des Angeklagten, der selbst zugegeben hatte, in seiner Funktion als Kommandant von Folter, Mord und Vergewaltigungen gewusst, sie aber nicht verhindert zu haben. Bei den beiden anderen Angeklagten wurde berücksichtigt, dass sie nur eine untergeordnete Funktion gehabt hatten und Kolundzija das Los von Gefangenen zu erleichtern versuchte. Er hat gute Chancen, bald auf freien Fuß zu kommen, da die zweijährige Untersuchungshaft auf seine Strafe angerechnet wird. Keraterm war eines von drei Lagern, die von Einheiten der bosnischen Serben im Mai 1992 nach der Eroberung von Prijedor eingerichtet worden waren.

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