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UN-Gipfel : Das Klima – ein Fall für Versicherer

09.12.2008 00:00 UhrVon Dagmar Dehmer
ÜberschwemmungBild vergrößern
Schutzlos ausgeliefert. Wenn ein Zyklon über das Land tobt, verlieren die Fischer und Bauern ihre Existenzgrundlage - wie 2007 in Bangladesh. - - Foto: AFP

Die Münchener Rück präsentiert in Posen einen Vorschlag für Mikrokredite, die Wetterrisiken auffangen. So soll armen Staaten, die stark unter den Folgen der Erderwärmung leidern, bei der Bewältigung der Krisen geholfen werden.

BerlinEs ist ein schlechtes Jahr gewesen. Mit rund 90.000 Menschen, die bei Wetterkatastrophen von Januar bis Ende November 2008 ihr Leben verloren haben, war es das schlechteste seit 1990. Die meisten Menschen starben beim Zyklon „Nargis“ oder in der Folge des Wirbelsturms in Birma. Diese Zahlen referierte Peter Höppe, Leiter der Geo-Risikoforschung der Münchener Rück, am Montag beim Klimagipfel in Posen (Poznan).

Dabei sind die rund 80.000 Toten, die dem Erdbeben in China im Frühjahr zum Opfer gefallen sind, in dieser Statistik gar nicht enthalten, weil die Münchener Rück in hier nur Wetterkatastrophen aufgelistet hat.

Auch was die Kosten der Wetterextreme angeht, gehört das Jahr 2008 zu den Top Fünf. Rund 65 Milliarden Dollar haben die Wirbelstürme, Überschwemmungen, Erdrutsche und Dürren in etwa gekostet, davon waren Werte in einer Höhe von etwa 40 Milliarden Dollar auch versichert.

Wegen solcher Zahlen haben die Münchener Rück, einige andere Versicherungskonzerne und Nichtregierungsorganisationen 2005 die Münchener Klimaversicherungs-Initiative (MCII) gegründet. Nach drei Klimakonferenzen, bei denen die MCII im Begleitprogramm präsent war, hat die Initiative es nun zu einem eigenen Tagesordnungspunkt gebracht – und damit ist das Thema Versicherungen als Mittel zur Anpassung an den Klimawandel schon fast Teil des Abkommens, das Ende 2009 in Kopenhagen geschlossen werden soll.

Bisheriger Anpassungsfonds ist nicht ausreichend

Denn klar ist, dabei wird es nicht nur darum gehen, wie der weltweite Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen vermindert werden kann. Es wird auch darum gehen, wie armen Staaten, die stark unter den Folgen der Erderwärmung leiden, bei der Bewältigung der Krisen geholfen werden kann.

Der bisher existierende Anpassungsfonds, der unter dem Kyoto-Protokoll gebildet worden ist, wird dafür nicht ausreichen. Dieser Fonds wird gespeist durch Abgaben auf sogenannte CDM-Geschäfte. Im CDM (Saubere Entwicklungsmechanismus) können Firmen, die ihren Kohlendioxid-Ausstoß einschränken müssen, CO2-Zertifikate erwerben, indem sie in Entwicklungsländern in saubere Energien investieren, beispielsweise in die Stromerzeugung aus Deponiegas in Brasilien oder Südafrika oder eine höhere Effizienz von Kohlekraftwerken in China.

Auf jedes so erworbene Zertifikat wird eine Abgabe erhoben, die dann in den Anpassungsfonds fließt. Da das Handelsvolumen des CDM aber beschränkt ist, sind die Summen, die dabei zusammenkommen noch nicht allzu beeindruckend. Peter Höppe könnte sich deshalb vorstellen, dass auf alle Geschäfte im Kohlenstoffmarkt, also auch beispielsweise im europäischen Emissionshandel, eine Abgabe erhoben werden könnte. Um das Modell der MCII finanzieren zu können, würde nach Höppes Schätzung ein Prozent des derzeitigen weltweiten Handelsvolumens ausreichen, um ein globales Klimaversicherungsystem zu finanzieren.

Versicherung auf drei Säulen

Der Vorschlag beruht auf drei Säulen: der Risikovorsorge sowie zwei Versicherungssäulen. Die eine soll extreme Wetterkatastrophen versichern, indem alle potenziell betroffenen Länder einbezogen und ihre Risiken zusammengefasst werden. Die dafür nötigen Summen von drei bis fünf Milliarden Dollar könnten aus dem Anpassungsfonds an die jeweils betroffenen Staaten fließen. Diese müssten sich jedoch im Gegenzug verpflichten, für den Schutz von Leben und Werten vorzusorgen. Dafür bekommen sie schon jetzt Hilfe vom UN- Programm zur Katastrophenvorsorgen (ISDR).

Die zweite Versicherungssäule betrifft die Menschen, die in Risikogebieten leben. Nach dem Vorbild etwa einer Mikroversicherung für Bauern in Malawi sollen Angebote zum privaten Risikomanagement auf den Markt gebracht werden. Darüber ließen sich Dürren oder Überschwemmungen versichern. Privatunternehmen, die in verletzlichen Staaten solche Versicherungen anbieten wollen, sollen dafür Hilfen bekommen.

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