UN-Klimagipfel : Mini-Kompromiss: Kyoto-Protokoll bis 2020 verlängert

Beim UN-Klimagipfel in Doha gab es einen Mini-Kompromiss: Das Kyoto-Protokoll wird bis 2020 verlängert. Bundesumweltminister Altmaier und Umweltschützer zeigten sich erleichtert.

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Der UN-Klimagipfel in Doha konnte sich zu einem Mini-Kompromiss durchringen.
Der UN-Klimagipfel in Doha konnte sich zu einem Mini-Kompromiss durchringen.Foto: dpa

Zum Schluss ging alles sehr schnell: Mit 24-stündiger Verspätung ist am Samstag in Doha der 18. Weltklimagipfel zu Ende gegangen. Konferenzpräsident Abdullah bin Hamad Al-Attiya, der Vizepremier Katars, hatte offensichtlich keine Lust mehr. Binnen fünf Minuten setzte er einen völkerrechtlich bindenden Vertrag in Kraft, der die Verlängerung des Kyoto-Protokolls, die Finanztransfers in den Süden und ein Verhandlungsmandat für einen neuen Weltklimavertrag beinhaltet. Dies war nur möglich, weil er nicht von seinem Blatt aufschaute und einen Einspruch Russlands “übersah”.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sprach von einem „guten Signal für den Klimaschutz“. Es sei positiv, dass das Kyoto-Protokoll weitergeführt werde und die „Weichen für ein neues weltweites Abkommen gestellt“ seien, das nun bis 2015 ausgehandelt werden soll. Erstmals fallen dabei die Unterschiede zwischen Industrie- und Schwellenländern weg, im künftigen Klimaregime sollen alle Staaten der Erde Reduktionspflichten übernehmen. Das Doha-Abkommen „hat einige Substanz“, sagte Altmaier, was man auch an der Zustimmung der besonders vom Klimwandel bedrohten kleinen Inselstaaten (Aosis) ablesen könne.

Umweltschützer reagierten ähnlich erleichtert. "Es ist enorm wichtig, dass das Kyoto-Protokoll am Leben bleibt", urteilte Sven Harmeling von Germanwatch gegenüber dem Tagesspiegel. Schon allein wegen der Methodik: "Das Protokoll legt international rechtsverbindlich fest, wie der Treibhausgas-Ausstoß in jedem einzelnen Land gemessen und vergleichbar wird. Wir brauchen diese Instrumente für den Zukunftsvertrag."

Für das Weltklima selbst bringe das Ergebnis dagegen nichts. „Die Ambitionen der Vertragsstaaten sind viel zu gering, um das Zwei-Grad-Ziel noch schaffen zu können", so der Experte. Wenn die Kyoto-Vertragsstaaten tatsächlich wie im zweiten Verpflichtungsvertrag beschlossen ihre Emissionen bis 2020 um 20 Prozent senken, entspräche dies in etwa jenen Emissionen, um die China und Indien binnen weniger Jahre wächst.

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