UN-Klimakonferenz : Der beste Mann im falschen Job

Thomas Shannon leitet die US-Klimadelegation. Der erfahrene Diplomat muss sich in einer schwierigen Situation bewähren.

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Under Secretary of State for Political Affairs, Thomas Shannon attends a joint press conference with Sri Lanka's foreign secretary in Colombo on November 6, 2017, as part of a one-day visit to Sri Lanka. / AFP PHOTO / ISHARA S. KODIKARA
Under Secretary of State for Political Affairs, Thomas Shannon attends a joint press conference with Sri Lanka's foreign...Foto: AFP

Noch vor zwei Jahren nannte Thomas Shannon den Klimawandel eine der „größten Herausforderungen weltweit“. Nun ist er Verhandlungsführer der US-amerikanischen Delegation bei den Klimakonferenz in Bonn. Den Posten hat Shannon qua Amt als Under Secretary of State for Political Affairs inne, dem dritthöchsten Rang im Außenministerium.

Seit mehr als 30 Jahren im diplomatischen Dienst, unter anderem als Botschafter in Brasilien, hat sich Shannon ein hohes Ansehen erworben, sagt Alden Meyer von der Union of Concerned Scientists. „Er ist zwar kein Klimaexperte, aber er hat sich sehr schnell eingearbeitet“, weiß Meyer aus Verhandlerkreisen. Ohne Zweifel sei der Mann der Beste, den man für den Job finden konnte, meint Meyer. Allerdings: „Auch wenn er ein vernünftiger Mann ist, untersteht er einer unvernünftigen Regierung.“ Wenn die USA tatsächlich den Austritt erklären, was erst am 4. November 2018 möglich ist, wären sie die einzige Nation, die nicht Mitglied im Klimaabkommen ist.

Bisher hat sich die amerikanische Delegation in den Vorverhandlungen konstruktiv verhalten, berichten übereinstimmend der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, als auch die Verhandlungsführerin des Gastgebers Fidschi, Nazhat Shameem Khan. Das spricht für Shannon, dessen Auftreten ernsthaft und zurückhaltend ist.

Kann man von ihm am Ende erwarten, die Absichten von Präsident Trump zu unterlaufen? Sein direkter Vorgesetzter, Außenminister Rex Tillerson, war ja dafür, im Abkommen zu bleiben. Hermann Ott vom Wuppertal Institut für Klima Umwelt Energie und langjähriger Beobachter der Klimakonferenz hält das für unwahrscheinlich: „Shannon ist loyal genug, um neuen Befehlen und Marschrouten zu folgen. Aber es gibt ja immer Spielraum bei der Auslegung von Weisungen.“

Das Außenministerium jedenfalls zeigt klare Kante: „Die Vereinigten Staaten haben weiter die Absicht, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen“, sagte ein Sprecher. „Die Frage ist, wie Shannon sich verhalten wird, ohne konfrontativ zu werden“, sagt Meyer. Da die Entscheidungen in der Klimakonferenz einstimmig gefällt werden, haben die USA die Möglichkeit, Fortschritte zu blockieren. Die Sorge ist nun, dass man den USA zu weit entgegenkommt, um das Land im Abkommen zu halten. Derweil etabliert sich China als neue Großmacht der Verhandlungen.

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