UN-Klimaverhandlungen : Neuer Schwung fürs Klima

Umweltministerin Barbara Hendricks kündigt mehr Geld für arme Länder an. Nachdem die USA und China Verhandlungsbereitschaft zeigen, könnte Bewegung in die festgefahrenen Gespräche kommen.

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Vor einem halben Jahr beim Klimagipfel in Warschau sind die großen Umweltorganisationen aus den Klimaverhandlungen ausgezogen. Am Freitag zogen sie bei der Zwischenverhandlungsrunde in Bonn wieder ein. Foto: dpa
Vor einem halben Jahr beim Klimagipfel in Warschau sind die großen Umweltorganisationen aus den Klimaverhandlungen ausgezogen. Am...Foto: dpa

Barbara Hendricks (SPD) ist doch noch nach Bonn gefahren. Zur Premiere am Vortag, dem ersten Ministertreffen für eine Zwischenrunde der Weltklimaverhandlungen in Bonn, hatte sie noch ihre Staatssekretärin Rita Schwarzelühr- Sutter (SPD) geschickt. In ihrer Rede am Freitag wies Hendricks vor den Verhandlungsdelegationen aus 190 Ländern auf ihre Klimainitiative hin. Sie soll Deutschlands Ziel erreichen helfen, 40 Prozent der Treibhausgasemissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 zu senken. Außerdem kündigte sie einen „substanziellen“ finanziellen Beitrag zum Klimafonds an, aus dem arme Länder bei der Anpassung an den Klimawandel und der Minderung ihrer Emissionen unterstützt werden sollen. Mit Blick auf den 2015 in Paris geplanten Klimagipfel sagte Hendricks: „Das Paris- Protokoll soll die Länder in eine Zukunft ohne CO2-Ausstoß führen.“

Die USA wollen CO2-Grenzwerte für Kraftwerke einführen

In die Klimaverhandlungen ist in dieser Woche wieder etwas Dynamik gekommen. Die USA kündigten CO2-Grenzwerte für Kohlekraftwerke an. Und in China, dem Land mit dem inzwischen höchsten Treibhausgasausstoß, mehren sich die Zeichen, dass es seinen Höchststand vor 2030 erreichen dürfte. Sogar über eine absolute Obergrenze für den CO2-Ausstoß wird diskutiert. Bisher hat sich China lediglich dazu verpflichtet, die Emissionen bezogen auf das Wirtschaftswachstum zu mindern.

Schellnhuber: Europa sollte aus der Klima-Müdigkeit aufwachen

Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, sagte dazu: „Wenn China tatsächlich eine absolute Obergrenze für seinen Ausstoß von Treibhausgasen einführt, würde das einen Schub bedeuten für die Klimapolitik weltweit.“ Es sei „bemerkenswert, dass jetzt sowohl China als auch die USA bereit zu sein scheinen, wieder eine Führungsrolle einzunehmen“. Weiter sagte Schellnhuber: „Für Europa könnte es an der Zeit sein, aus seiner jüngsten Klima-Müdigkeit aufzuwachen.“ Er hofft dabei auf ein ambitionierteres Klimaziel bis 2030, als es die alte EU-Kommission bisher vorgelegt hat.

So sehen sie aus, die neuen CO2-Grenzwerte für Kraftwerke in den USA. Vergangene Woche hat die Chefin der amerikanischen Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy, die Pläne vorgestellt. Foto: AFP
So sehen sie aus, die neuen CO2-Grenzwerte für Kraftwerke in den USA. Vergangene Woche hat die Chefin der amerikanischen...Foto: AFP

Sir David King, Klimaberater des britischen Außenministers William Hague, drängt die Verhandler zur Eile. Um in Paris zu einem Abschluss zu kommen, „muss das Abkommen in seinen Grundzügen beim Klimagipfel in Lima im Dezember stehen“, sagte er dem Tagesspiegel. Angesichts der Risiken für den Verhandlungsprozess setzt King auf die Praxis. Dank der deutschen Förderpolitik für erneuerbare Energien „ist die Solarenergie weltweit wettbewerbsfähig geworden“, sagt er. Und erhofft sich vom massenhaften Einsatz dieser kohlenstofffreien Technologie einen großen Schub für den Klimaschutz.

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