Politik : UN-Konferenz: Afghanistan-Gipfel startet mit Erfolg

Die Afghanistan-Konferenz der Vereinten Nationen auf dem Petersberg bei Bonn hat am Dienstag mit einem ersten Erfolg begonnen. Schon zum Auftakt der Konferenz einigten sich die Delegierten auf einen Zeitplan zur Bildung einer Übergangsregierung. In den nächsten drei bis sechs Monaten soll zunächst eine vorläufige Verwaltung die Geschicke des Landes lenken. Anschließend, möglichst noch im kommenden Frühjahr, soll eine große Stammesversammlung (Loja Dschirga) den Weg für eine provisorische Regierung frei machen, die dann zwei Jahre im Amt bleiben soll.

Zum Thema Online Spezial: Kampf gegen Terror
Afghanistan: Wege jenseits der Bomben
Bundeswehr-Einsatz: Deutschland und der Krieg
Fotostrecke: Krieg in Afghanistan
Bereits in drei bis fünf Tagen soll nach dem Willen der afghanischen Teilnehmer ein Abkommen über eine gemeinsame Übergangsverwaltung erreicht werden, wie UN-Sprecher Ahmad Fawzi am Dienstag in Königswinter bei Bonn mitteilte. "Schnelligkeit ist wichtig", meinte Fawzi. Die 38 Gesprächsteilnehmer seien sich einig, dass sie ihre Meinungsverschiedenheiten überwinden und Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen wollten. Über die Zusammensetzung des Verwaltungsrates und der späteren Regierung wurde noch nicht gesprochen. Eine Möglichkeit ist laut Fawzi, dass der frühere König Sahir Schah die vorläufige Verwaltung leiten könnte.

Außenminister Joschka Fischer und der UN-Afghanistan-Beauftragte, Lakhdar Brahimi, hatten die Konferenz am Morgen eröffnet. "Afghanistan hat nunmehr eine große Chance zum Frieden und Wiederaufbau, die Chance zu einem einigen, unabhängigen Afghanistan", sagte Fischer. Der Minister stellte größere internationale und deutsche Wiederaufbauhilfe in Aussicht. Bedingung dafür sei die Lösung der Sicherheitsprobleme, eine stabile Regierung und die Achtung der Menschenrechte. Insbesondere forderte Fischer die Respektierung der Rechte der von den Taliban unterdrückten Frauen.

Am Konferenztisch saßen auch zwei weibliche Delegierte und zwei Frauen als Beraterinnen. Die zur "Zypern-Gruppe" von Exil-Afghanen gehörende Delegierte Fedigheh Balchi sagte in einer Sitzungspause vor Journalisten: "Unsere Frauen wurden von den Taliban in den letzten Jahren schwer unterdrückt. Jetzt aber haben wir die Chance zu einer Renaissance der Frauen.

Die amerikanische Marineinfanterie baute unterdessen ihren Brückenkopf im Süden Afghanistans am Dienstag aus. Ihr Einsatzziel sind die auf die Region Kandahar und Umgebung zurückgedrängten Islamisten der Taliban und der Al Qaida.

In der Nacht zum Dienstag hatten die Ledernacken ihren ersten Kampfeinsatz, als eine Panzerkolonne der Taliban auf den Feldflugplatz zufuhr, den die US-Eliteeinheiten seit Montag zum Brückenkopf ausbauen. Kampfhubschrauber stoppten die Panzerkolonne. Rund 1000 Marineinfanteristen sollen auf dem Flugplatz in der Wüste stationiert werden, dessen Name der Militärzensur unterliegt. Er liegt etwa 90 Kilometer südwestlich von Kandahar und wurde nach Berichten der Einheimischen früher von Osama bin Laden benutzt, dem Chef der Al Qaida. Ihn vermuten die USA im Raum Kandahar und seinen Beschützer, das Taliban-Oberhaupt Mullah Mohammad Omar, in Kandahar selbst.

Rund 100 Soldaten einer US-Sondereinheit sind nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" auf dem Militärflughafen Bagram nahe der afghanischen Hauptstadt Kabul stationiert worden. Sie seien in der Nacht zum Sonntag gelandet, berichtete die Zeitung. Die Einheit gehöre offenbar zu Spezialkräften, die die Suche nach Osama bin Laden intensivieren sollen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben