UN-Konferenz : Artenschutz-Abkommen erst 2010

Umweltminister Sigmar Gabriel zieht ein positives Fazit der Bonner UN-Artenschutzkonferenz. Er wertete die erreichten Vereinbarungen als Erfolg. Doch vom Jubeln ist er weit entfernt. "Ich glaube, dass unsere Arbeit gerade erst anfängt." Auch die Umweltschutzorganisationen bleiben kritisch.

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Naturschützer: "Trotz einiger Fortschritte wird der Gipfel das Artensterben nicht stoppen." -Foto: dpa

BonnMit Fortschritten bei der Ausweisung neuer Schutzgebiete und für ein Abkommen gegen Biopiraterie ist am Freitag die UN-Artenschutzkonferenz in Bonn zu Ende gegangen. "Wir haben uns gemeinsam auf den Weg gemacht", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Aber: "Ich glaube, dass unsere Arbeit gerade erst anfängt." Sprecher von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen sprachen zwar ebenfalls von Fortschritten, diese seien jedoch zu zaghaft und langsam. Seit Konferenzbeginn sind wieder 2000 Spezies ausgestorben, mahnte Greenpeace.

Gabriel hob als wichtiges Konferenzergebnis hervor, dass zahlreiche Länder im Rahmen der von Deutschland angeregten "Life-Web-Initiative" insgesamt 65 Millionen Hektar neue Schutzgebiete ausweisen wollen. Zur Finanzierung hatte die Bundesregierung zusätzlich 500 Millionen Euro für die kommenden vier Jahre und danach jeweils jährlich 500 Millionen Euro insgesamt angeboten. Allerdings wird viel mehr Geld benötigt, sagte er und rief auch andere Industriestaaten zu stärkeren eigenen Beiträgen auf. Insgesamt sei in Bonn mehr erreicht worden, als vorher habe erwartet werden können.

Mehr Gerechtigkeit bei Nutzung von genetischen Ressourcen

Weiteres zentrales Verhandlungsergebnis ist das "Bonner Mandat" für Verhandlungen über ein Abkommen gegen Biopiraterie. Dabei geht es um einen gerechten Ausgleich der Vorteile bei der Nutzung genetischer Ressourcen. Vorgesehen ist, dass es verbindliche Regeln sowohl für den Zugang als auch für Zertifikate zu deren legaler Nutzung geben soll. Das Abkommen selbst soll aber erst auf der nächsten UN-Artenschutzkonferenz 2010 in Japan abgeschlossen werden.

Lange gestritten wurde auf der Konferenz über Nachhaltigkeitskriterien für die Herstellung von Biosprit. Widerstand dagegen gab es besonders von Brasilien. Die Konferenz verständigte sich darauf, wissenschaftlich zu prüfen, welche Folgen die Verwertung von Biomasse hat. Über mögliche Konsequenzen soll dann auf der nächsten Biodiversitätskonferenz in zwei Jahren beraten werden. Ein "De-facto-Moratorium" gab es laut Gabriel für Pläne, durch die massive Einleitung von Eisendioxid und anderen Eisenverbindungen das Algenwachstum zu stärken und damit die Absorption von Kohlendioxid zu erhöhen. Dies ist wegen ungeklärter Nebenwirkungen äußerst umstritten.

"Die Kettensägen kreischen weiter"

Mehrere Umweltschutzorganisationen lobten die Zusage weiterer Mittel für den Waldschutz durch die Bundesregierung. Der Greenpeace-Experte Martin Kaiser warf aber Deutschland und der EU vor, keine konkreten Richtlinien gegen illegalen Holzeinschlag vorgelegt zu haben. "Die Kettensägen kreischen weiter", erklärte die Organisation Pro Wildlife. Umweltschützer kritisierten auch, dass beim Waldschutz nicht hinreichend zwischen Primärwald und für den Artenschutz wertlosen Plantagen unterschieden werde. "Trotz einiger Fortschritte wird der Gipfel das Artensterben wohl nicht stoppen", sagte der WWF-Naturschutzexperte Jörg Roos. (kj/AFP)

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