Politik : Un-Konferenz gegen Rassismus: Von Regenbogen keine Spur

Wolfgang Drechsler

Im südafrikanischen Durban beginnt am 31. August die UN-Weltkonferenz gegen den Rassismus - ein Anlass auch für Südafrika, sich mit seiner jüngeren Geschichte zu beschäftigen. Belastet wird die Konferenz in Durban durch die Forderung afrikanischer Länder nach einer Entschuldigung und Entschädigung für die Sklaverei (siehe Interview unten). Dies lehnen die westlichen Staaten entschieden ab.

Für die südafrikanische Menschenrechtskommission war der Fall klar: Das Zeitungsfoto mit dem großen Vogel, der in der Johannesburger City im Müll wühlt, war eindeutig rassistisch. Und zwar deshalb, weil das Bild angeblich die Angst der Weißen widerspiegele, dass die Innenstadt zunehmend "afrikanisiert", also nach ihrem Verständnis verfallen werde. Dass das Foto in Uganda aufgenommen war, schien den übereifrigen Forschern der Kommission völlig entgangen zu sein.

Die Episode bestätigt die Alltagserfahrung, wonach Südafrika auch im Jahr Sieben nach der Apartheid nicht wirklich farbenblind ist. Noch immer ziehen sich die Demarkationslinien der alten Rassenlehre durch die Gesellschaft und die Köpfe seiner Menschen. Der leichte Hauch von Regenbogen und rassischer Harmonie, der sich nach den ersten freien Wahlen im April 1994 über das Land zu legen schien, ist inzwischen vergangen.

Dass heute immer mehr Südafrikaner bei einem Blick auf die Zukunft ihres Landes eine diffuse Angst beschleicht, liegt vor allem daran, dass es am Kap zuletzt immer öfter zum Ausbruch rassischer Ressentiments gekommen ist. Unter der Apartheid war der Rassismus, vor allem der weiße Rassismus gegenüber schwarzen Südafrikanern, fest in der Gesellschaft verwurzelt - und daran hat sich auch nach dem Machtwechsel wenig geändert. Allerdings hat der reflexartige Versuch vieler Schwarzer, jedwede Kritik mit dem Universalargument "Rassismus" zu ersticken, die Kluft zwischen den Bevölkerungsgruppen vergrößert und einen Gutteil der Weißen am Kap noch tiefer ins Private getrieben.

"Zwischen 1994 und 1998 gab es hier eine Art Aufbruchstimmung, eine Phase der Euphorie", erinnert sich Saki Macozoma, ein führendes Mitglied des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC). Gerade deshalb sei er über die zunehmende Re-Rassifizierung der südafrikanischen Gesellschaft sehr besorgt. Macozoma sagt es ohne Umschweife: "Der Rassismus in all seinen Formen befindet sich in Südafrika auf dem Vormarsch - und wir sprechen keineswegs nur von seiner weißen Variante."

Selbst Frederik van Zyl Slabbert, der als langjähriger liberaler Oppositionspolitiker im Apartheidstaat den Nöten des ANC viel Verständnis entgegenbringt, wehrt sich dagegen, dass Präsident Thabo Mbeki Südafrika immer wieder als ein "Land mit zwei Völkern" beschreibt - das eine reich und weiß; das andere arm und schwarz. "Solch bequeme Stereotypen", sagt Slabbert, "machen es den Weißen schwer, sich wirksam im Kampf gegen den Rassismus zu engagieren."

Die krude Einordnung von Südafrika als ein Land mit zwei Völkern zielt ohnehin an der Realität vorbei: Trotz der historisch bedingten Ungleichheiten belegt eine Studie nach der anderen, dass zumindest die materielle Kluft zwischen den Rassen schrumpft, während sie innerhalb der Rassengruppen ständig größer wird.

Vor allem Intellektuelle manövrieren sich mit dem ständigen Jammern über weiße Dominanz und Voreingenommenheit selbst ins Abseits. Intellektuelle Faulheit lege sich über das Land, warnt der schwarze Journalist Mondli Makhanya und gibt zu bedenken: "Wir können uns nicht immer hinter Slogans und Etiketten verstecken, weil wir sonst zur Rasse der ewigen Opfer werden."

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