UN-Kriegsverbrecher-Tribunal : Karadzic-Anwalt will Auslieferung hinauszögern

Der Anwalt von Radovan Karadzic versucht mit allen Tricks, die Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers zu verhindern. Wenn der Einspruch abgewiesen wird, könnte Karadzic dann frühestens am Montag nach Den Haag geflogen werden.

BelgradWenige Tage nach der Festnahme des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic ist die Frist für einen Widerspruch gegen die Auslieferung an das UN-Kriegsverbrechentribunal in Den Haag abgelaufen. Der Anwalt Karadzics Svetozar Vujacic hatte am Freitagabend angekündigt, dass er sein Schreiben in einem von Belgrad "am weitesten entfernten" Postamt abgeben werde, um auf diese Weise so viel wie möglich Zeit bis zum Eingang des Widerspruchs zu gewinnen. Es wird erwartet dass das zuständige Gericht in Belgrad den Einspruch abweisen wird.

Die darauffolgende Zustimmung des Justizministeriums gilt als Formsache. Vladimir Vukcevic, Chefankläger des serbischen Kriegsverbrechengerichts, sagte am Freitag, Karadzic könnte dann frühestens am Montag nach Den Haag geflogen werden.

Karadzic war am Montag in Belgrad festgenommen worden, nachdem er sich seiner Festnahme jahrelang erfolgreich entzogen hatte. Zuletzt hatte der 63-Jährige unter falschem Namen als Heilpraktiker gearbeitet. Er war 1996 untergetaucht, nachdem ihn das UN-Tribunal wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt hatte. Der einstige bosnische Serbenführer und sein noch flüchtiger, früherer Militärchef Ratko Mladic werden für Gräueltaten während des Bosnien-Krieges (1992-1995) verantwortlich gemacht, unter anderem für die Belagerung Sarajevos mit rund 10.000 getöteten Zivilisten und für das Massaker von Srebrenica mit rund 8000 getöteten muslimischen Männern und Jungen. (ae/dpa/AFP)

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