Politik : UN- Kriegsverbrechertribunal: Del Ponte zweifelt an Nato-Truppen

Die Chefanklägerin des UN- Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Carla Del Ponte, hat deutliche Kritik an der Arbeit der Nato-Friedenstruppen auf dem Balkan geübt. Der Einsatz zur Ergreifung von Kriegsverbrechern wie dem ehemaligen Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, sei nicht entschieden genug, sagte sie der Zeitung "Welt am Sonntag". Sie frage sich, wie es möglich sei, dass sich Karadzic seit fünf Jahren auf der Flucht befinde, "obwohl er sich auf einem Territorium aufhält, das von Militärs einer Weltmacht kontrolliert wird". Noch fühle sie sich bei ihrer Arbeit von den westlichen Staaten nicht im Stich gelassen, sagte Del Ponte weiter. "Aber ich bin auch nicht weit von diesem Stadium entfernt." Den vor allem von serbischer Seite erhobenen Einwand, eine Auslieferung des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic würde die politische Situation in Serbien destabilisieren und den Demokratisierungsprozess gefährden, ließ del Ponte nicht gelten: "Dieses Land wird keine Stabilität finden, solange Milosevic sich dort frei bewegt."

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben