Politik : UN loben Staatengemeinschaft für schnelle Finanzzusagen

Jan Dirk Herbermann[Genf]

In Rekordzeit erhalten die UN finanzielle Hilfe für die Tsunami-Opfer. Am Dienstag meldete die Weltorganisation feste Regierungszusagen in Höhe von 717 Millionen US-Dollar. Die Vereinten Nationen hatten ihren Hilfsappell von 977 Millionen US-Dollar für die Katastrophenregion am Indischen Ozean vorigen Donnerstag in Jakarta veröffentlicht. „Niemals zuvor hat es eine so schnelle und großzügige Reaktion von Ländern auf einen Hilfsappell gegeben“, sagte Jan Egeland, der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe.

Egeland äußerte in Genf während einer UN-Geberkonferenz die Hoffnung, dass die UN in Kürze auf den gesamten Betrag von 977 Millionen US-Dollar zurückgreifen können. Deutschland gehört laute Egeland wieder zu den generösesten Ländern: Berlin will 50 Millionen Euro für die UN-Hilfe bereitstellen. Das Geld ist Teil der deutschen Gesamthilfe von 500 Millionen Euro. Das bestätigte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul am Rande der Konferenz.

Mit dem zugesagten Geld soll in den nächsten sechs Monaten die gröbste Not in den Flutgebieten gelindert werden. „Unabhängig von dieser Soforthilfe sind die mittel- bis langfristigen Projekte, welche Geberländer in der Region finanzieren wollen“, erklärte Egeland-Sprecherin Elizabeth Byrs.

Die Weltorganisation drückt bei den Überweisungen aus gutem Grund aufs Tempo: Denn oft nimmt die Zahlungsmoral vieler Regierungen in dem Maße ab, wie die Katastrophen aus den Schlagzeilen rutschen. 2004 gingen nur 60 Prozent der benötigten Gelder für Katastrophenhilfe bei den UN tatsächlich ein. Egeland will die Industriestaaten künftig stärker in die Pflicht nehmen. „Die Geberländer sollen Rechenschaft ablegen über die Summen, die sie für die Katastrophenhilfe versprechen“, sagte er. Egeland will im Internet den genauen Weg von einer Hilfszusage über die Zahlung bis zum Einsatz des Geldes vor Ort veröffentlichen.

Der UN-Flüchtlingskommissar, Ruud Lubbers, forderte indes einen mehrmonatigen Abschiebestopp für Asylbewerber aus Sri Lanka, Somalia, den Malediven, der indonesischen Provinz Aceh sowie verschiedenen indischen Regionen.

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