UN-Mission : "Mit wachsamen und geschärften Blick"

Die Marine der Bundeswehr steht vor der wohl heikelsten Mission ihrer 50-jährigen Geschichte.

Berlin/Beirut - Der Befehl für die Besatzungen der Fregatten, Schnellboote und wahrscheinlich auch Minensuchboote vor der libanesischen Küste wird lauten: Unterbindung von möglichen Nachschublieferungen für die schiitischen Hisbollah-Milizen. Aus dem Flottenkommando in Glücksburg hieß es: "Wir gehen in unseren Einsatz mit einem besonders wachsamen und geschärften Blick". Gemeint ist damit nach Darstellung von Marineoffizieren, dass es vor der Küste des Libanon "brenzlig" werden könnte.

Im politischen Berlin ist die Erleichterung dennoch groß. Mit dem Einsatz der Marine sei ausgeschlossen, dass "deutsche Bodentruppen bei der Überwachung des Waffenstillstandes im Südlibanon in eine Gefechtssituation mit israelischen Soldaten kommen könnten", erklärten Parlamentarier. Bei den Beratungen innerhalb der großen Koalition hatte sich schnell gezeigt, das "alles auf die Marine zuläuft". Eine klare Zustimmung des Bundestages für die Entsendung von Bodentruppen wäre hingegen fraglich gewesen.

Die deutschen Kriegsschiffe können relativ schnell vor Ort sein. Eine Fregatte braucht von ihrem Heimathafen in Wilhelmshaven bis vor die Küste des Libanon etwa eine Woche. Die Schnellboote benötigen von ihrem Stützpunkt in Warnemünde ins Einsatzgebiet rund zwei Wochen.

Der Marineverband könnte gegebenenfalls von Aufklärungsflugzeugen vom Typ RECCE-Tornado unterstützt werden. Sie könnten die Überwachung auf See ergänzen - "sozusagen in Marinefunktion", wie es in Militärkreisen heißt. Die Maschinen können aus mittleren und niedrigen Höhen gute Luftbilder liefern. Den Angaben zufolge sollen mehrere Tornados auf Zypern stationiert werden, um von dort aus Überwachungsflüge über der Pufferzone im Südlibanon zu unternehmen. Die Minensuchboote sollen die unter Wasser lauernden "heimtückischen Gefahren" für die deutsche Schiffe abwehren.

300 Soldaten auf einer Fregatte

Für den Einsatz im Nahen Osten könnten mehrere Fregatten vorgesehen sein. Diese Schiffe sind mit neuartigen Radar-Anlagen und EDV-Systemen ausgestattet. Damit können nach Aussage von Marineoffizieren nicht weniger als 1000 Ziele gleichzeitig in einer Entfernung von bis zu 400 Kilometer erfasst werden. Dank ihrer Informationssysteme kann eine Fregatte auch als schwimmende Führungsplattform eingesetzt werden. Sie verfügt zudem über Hubschrauber für Patrouillenflüge. An Bord sind rund 300 Marinesoldaten stationiert.

Die Schnellboote haben jeweils zwischen 30 und 40 Besatzungsmitglieder. Es wird erwartet, dass die Marine auch einen Einsatzgruppenversorger entsendet, um die operierenden Einheiten auf See mit Betriebsstoffen, Frischwasser, Proviant, Munition sowie Ersatzteilen zu versorgen. Was für den Libanoneinsatz besonders wichtig werden könnte: Die Versorgungsschiffe haben ein gut ausgerüstetes Lazarett an Bord, in dem auch chirurgische Eingriffe vorgenommen werden können. (Von Friedrich Kuhn, ddp)

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