UN-Sicherheitsrat : Paris fordert mehr Truppen für Kongo

Der UN-Sicherheitsrat soll mehr Blauhelme in das Kriegsgebiet der Demokratischen Republik Kongo schicken. Bislang stehen die Blauhelme im Land auf verlorenem Posten.

Jan Dirk Herbermann

Genf - Frankreich forderte im obersten UN-Gremium, die Kongo-Truppe Monuc um rund 3000 Soldaten und Polizisten aufzustocken. „Das muss so schnell wie möglich geschehen“, drängte auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. In den nächsten Tagen könnte der Rat über die Verstärkung abstimmen.

Bislang stehen die UN-Einheiten im Kongo auf verlorenem Posten: zu klein, zu schwach, und oft sind ihnen militärisch die Hände gebunden. Die 1999 vom Sicherheitsrat beauftragte Monuc kann ihren Auftrag, einen Friedensprozess im Kongo zu fördern und Zivilisten zu schützen, kaum erfüllen. Und das, obwohl sie mit mehr als 18 000 Soldaten, Polizisten und Militärbeobachtern und einem Jahresbudget von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar die größte und teuerste UN- Mission der Welt ist. Ob die UN-Staaten weitere Soldaten für das Kommando abstellen, ist fraglich. Bis neue Blauhelme einträfen, würden viele Monate verstreichen. Und selbst mit über 21 000 Mann könnte die Monuc dem mörderischen Treiben kaum Einhalt gebieten: Das Land ist sieben Mal so groß wie Deutschland.

In der heftig umkämpften Provinz Nord-Kivu des Riesenreiches sind nur 6000 Monuc-Soldaten und -Polizisten stationiert. Viele Blauhelme versuchen in dem unwegsamen Terrain zuerst, ihre eigene Haut zu retten. Einheimische verhöhnen die Männer der UN-Truppe als „Touristen“. Seit der Zuspitzung der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen offenbart sich die Überforderung der Monuc immer dramatischer. So beschuldigt Kongos Regierung die Truppe, sie habe dem Abschlachten von Zivilisten tatenlos zugesehen. „Wir haben einfach sehr beschränkte Mittel“, erklärt der Sprecher der Monuc, Jean-Paul Dietrich. „Wir können nicht alle Ausschreitungen und Massaker verhindern.“ Die meisten Monuc-Soldaten stammen nicht aus Afrika: Mehr als 10 000 Inder, Pakistaner, Bangladescher und Uruguayer schieben dort ihren Dienst. Aber sie verstehen die Traditionen, Kulturen und Konfliktursachen des Kongos kaum. Auch die militärische Ausbildung vieler Blauhelme lässt zu wünschen übrig. Jan Dirk Herbermann

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