Politik : UN-Tribunal: Überlebende nennen Srebrenica-Urteil zu milde

Mit gemischten Gefühlen haben Überlebende des Massakers von Srebrenica das Urteil des UN-Kriegsverbrechertribunals gegen den bosnisch-serbischen General Radislav Krstic vom Donnerstag aufgenommen. Viele zeigten sich sogar über die in ihren Augen zu geringe Haftstrafe von 46 Jahren verärgert. "Wir, Überlebende von Srebrenica, glauben nicht, dass mit dem Urteil Gerechtigkeit gesprochen wurde", sagte Munira Subasic in Sarajevo. Die Frau verlor bei dem Massaker vor sechs Jahren ihren Mann und ihren Sohn. Krstic hätte aus symbolischen Gründen besser lebenslänglich bekommen sollen, sagte sie. Auch wenn er die 46 Jahre im Gefängnis nicht überleben werde. Krstic war am Donnerstag als erster Angeklagter des Haager Tribunals überhaupt wegen Völkermordes beim Massaker von Srebrenica verurteilt worden.

"Kein Urteil könnte die Vergangenheit verändern", sagte der moslemische Bürgermeister von Srebrenica, Sefket Hafizovic. Das Urteil solle aber als Warnung für andere mutmaßliche Kriegsverbrecher gelten. Der Gerechtigkeit sei erst gedient, wenn auch dem früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic und seinem Oberbefehlshaber Ratko Mladic in Den Haag der Prozess gemacht werde.

Die UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte hatte den bosnischen Behörden am Donnerstag unter Verschluss Anklageschriften gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher übergeben. Die bosnische Polizei nahm darauf hin drei ranghohe Ex-Offiziere der moslemisch-bosnischen Armee fest. Es handelt sich um die beiden Exgeneräle Mehmed Alagic und Enver Hadzihasanovic sowie den früheren Kommandeur Amir Kubura.

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