Politik : UN: Viel mehr Tote in Darfur als bisher angenommen

Jan Dirk Herbermann

Genf - Immer mehr Menschen fallen dem Krieg in der sudanesischen Krisenregion Darfur zum Opfer: Rund 300 000 Kinder, Frauen und Männer starben nach aktualisierten Schätzungen der Vereinten Nationen seit Ausbruch der Kämpfe vor fünf Jahren. Bislang gingen die UN von rund 200 000 Toten aus – diese Zahl stammte aus dem Jahr 2006. Präsentiert wurden die jüngsten Todesziffern vom UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, John Holmes, vor dem UN-Sicherheitsrat. Holmes musste eingestehen: Die internationale Gemeinschaft ist nicht willens oder nicht fähig, die Gewalt zu stoppen. „Frieden in Darfur scheint weiter entfernt zu sein als jemals zuvor“, erklärte Holmes. „Die Menschen in Darfur sind einer andauernd steigenden Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen ausgesetzt.“

Diplomaten sprechen konkret von einer Mitschuld Chinas: Das Gastgeberland der Olympischen Spiele 2008 bezieht große Mengen Öl aus dem Sudan. Deshalb verhindere Peking im UN-Sicherheitsrat eine härtere Gangart gegen Sudans Regierung. Das Regime in Khartum trage aber die Hauptverantwortung für die Gräuel. In der Region kämpfen Sudans Streitkräfte zusammen mit Milizen gegen eine Vielzahl von Rebellengruppen. Die Gefechtslage wird seit Jahren immer unübersichtlicher. Holmes und seine Mitarbeiter schätzen, dass inzwischen 2,7 Millionen Menschen vor den Kämpfen geflohen sind. Die meisten drängen sich in erbärmlichen Lagern.

Der Tod kommt in Darfur auf vielen Wegen: Die Menschen sterben unmittelbar an Gewalt, Erschöpfung und weil sie keine ausreichende medizinische Versorgung finden. Oder sie verhungern. Die UN befürchten, dass die globale Nahrungskrise jetzt auch in Darfur immer mehr Opfer fordern wird. Das Welternährungsprogramm (WFP) muss wegen der Explosion der Lebensmittelpreise bald Rationen kürzen oder ganze Missionen einstellen – auch Darfur könnte betroffen sein. Schon heute kapern Banditen dort regelmäßig WFP-Konvois: Das WFP verringerte deshalb die Zuteilungen an Reis, Brot und Wasser. Jan Dirk Herbermann

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