UN-Weltklimareport : Autokanzler a.D.

Gerhard Schröder stellt in Berlin den UN-Weltklimareport vor, lobt dabei seine Politik und verpasst der SPD einen Tritt. Eigenartige Szenen in der Bundespressekonferenz.

Stephan Haselberger,Hans Monath

Berlin - Eigentlich will Gerhard Schröder gar keine Fragen beantworten. Er ahnt ja, dass sie wenig zu tun hätten, mit dem, wozu er gekommen ist: Der UN-Weltklimareport ist erstmals in deutscher Sprache erschienen, er wird unter anderen von Michael Müller, dem Staatssekretär im Umweltministerium, herausgegeben, und Schröder stellt ihn im kleinen Saal der Bundespressekonferenz vor. Ausgerechnet Schröder.

Dass er und Müller, als hätten sie nie etwas anderes getan, nun Schulterpolster an Schulterpolster auf dem Podium sitzen, um vor dem Treibhauseffekt zu warnen, – das hat schon deshalb einigen Unterhaltungswert, weil der eine den Beinamen „Autokanzler“ in seiner Amtszeit mit Stolz getragen hat und danach für den russischen Gasprom-Konzern tätig wurde, während der andere in all den Jahren unentwegt für Klimaschutz und den Ausbau der erneuerbaren Energien trommelte. Obendrein war Müller in der vergangenen Wahlperiode einer der führenden Köpfe der Parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion, die dem Reformkanzler Schröder mit ihren dauernden Forderungen nach Korrekturen an der Agenda 2010 gehörig auf die Nerven gingen.

Womit wir bei den Fragen wären, die man Schröder nicht stellen darf. Die nach dem Umgang der SPD mit Schröders Reformerbe zum Beispiel. Schröder selbst konzentriert sich in seiner Rede darauf, vor den Folgen des Klimawandels zu warnen und die Leistungen seiner rot-grünen Regierung für den Klimaschutz herauszustellen. Ökosteuer, Emissionshandel, Erneuerbare-Energien-Gesetz und natürlich der Atomausstieg. „Ich wundere mich, wie schnell solche Dinge in Vergessenheit geraten“, sagt Schröder. Davor aber, vor dem Vergessen, soll sich die SPD hüten: „Die Wende in der Klima- und Energiepolitik wurde von Rot-Grün vollzogen“, sagt der Altkanzler. Und fügt hinzu: „Gegen heftigen Widerstand der CDU/CSU.“ Man darf das getrost als Spitze gegen die damalige Oppositionsführerin Angela Merkel verstehen, die heute als Klimaschutzkanzlerin gefeiert wird.

Es liegt an Kurt Beck, dass Schröder doch noch vom Thema abweicht, und auf das Klima bei der SPD zu sprechen kommt. Der SPD-Vorsitzende hat den Altkanzler am Vorabend beim Fest der Parteizeitung „Vorwärts“ in den höchsten Tönen für dessen Einsatz für die SPD gelobt. Darauf angesprochen sagt Schröder nun, er sei seiner Partei gerne behilflich: „Alles was ich hab tun können und dürfen, verdank ich der SPD.“ Und dann schiebt er noch einen Satz hinterher, der nicht ganz so nostalgisch klingt. Er verhalte sich gegenüber der SPD-Führung jetzt so, „wie ich mir gewünscht hätte, dass man sich gegenüber mir verhält“.

Zur selben Stunde, da Schröder um’s Klima bangt, betritt auch sein einstmals enger Mitstreiter Frank-Walter Steinmeier in Berlin ein Podium, um ein Buch zu preisen. Der Ex-Kanzleramtschef, nun Außenminister, lobt aus sicherer Halbdistanz das Buch „Die Verschwörung der Journaille zu Berlin“. Der von Steinmeier als Freund angeredete TV-Journalist Gerhard Hofmann wirft darin einflussreichen Berufskollegen vor, sie hätten im Wahljahr 2005 ihre Neutralitätspflicht verletzt und gezielt auf den Sturz Schröders und einen schwarz-gelben Machtwechsel hingearbeitet. Steinmeier lobt den Mut zur Selbstkritik der Medien, bleibt aber skeptisch gegenüber konkreten Verschwörungstheorien. Dem Lobredner, so verrät er, wurde abgeraten von dem Auftritt. Begründung der Warner: „Politiker, die über Journalisten reden, verbrennen sich leicht die Finger.“

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