Politik : UN ziehen Mitarbeiter aus der Region ab. In der Hauptstadt Maliana herrscht "Anarchie"

Angesichts der eskalierenden Gewalt in Ost-Timor haben die Vereinten Nationen mit der Evakuierung ihrer Mitarbeiter begonnen. Es herrsche "Anarchie", beschrieb ein UN-Vertreter die Lage in der Stadt Maliana, aus der am Freitag alle UN-Mitarbeiter abgezogen wurden. Zwei Einheimische im Dienst der UN wurden dort am Donnerstag nach UN-Angaben von pro-indonesischen Milizen getötet. Einer Menschenrechtsorganisation zufolge wurden in Maliana außerdem drei Zivilisten umgebracht. Jakarta entsandte weitere Soldaten zur Verstärkung der Polizei in Ost-Timor. Am Freitag begann die offizielle Stimmenauszählung der Volksabstimmung über ein Autonomiestatut vom Montag. Das Ergebnis werde möglicherweise bereits am Sonnabend bekannt gegeben, sagte der Oberbefehlshaber der indonesischen Armee, General Wiranto, unter Berufung auf die UN-Mission für Ost-Timor (Unamet).

Ein Konvoi von 38 Fahrzeugen brachte am Freitag die 54 UN-Mitarbeiter aus Maliana in das Unamet-Hauptquartier nach Dili. Nach dem Tod ihrer Kollegen hatten sich viele von ihnen vor den Angriffen der Milizen in eine Polizeistation geflüchtet. Maliana ist eine Hochburg der pro-indonesischen Milizen, die seit Monaten versuchen, eine Unabhängigkeit der ehemaligen portugiesischen Kolonie mit Gewalt zu verhindern. Die Polizei habe nichts gegen die Milizen unternommen, klagte ein UN-Mitarbeiter.

Auch UN-Sprecher David Wimhurst warf der indonesischen Polizei vor, fast überhaupt nichts gegen die militanten Unabhängigkeitsgegner zu unternehmen. Das Verhalten der annähernd 9000 Polizisten sei "völlig unangemessen", so dass sich die Sicherheitslage weiter zugespitzt habe. Die Stadt Liquisa sei praktisch von den Milizen eingenommen und zahlreiche Häuser in Brand gesteckt worden. In Dili landeten am Freitag drei Militärmaschinen mit indonesischen Soldaten. Bis zum Sonnabend sollten insgesamt 1400 Soldaten eintreffen, verlautete aus Kreisen der Unamet. "Wir hoffen, dass sie gegen die Milizen vorgehen", sagte ein Unamet-Offizier.

UN-Menschenrechtskommissarin Robinson sprach sich für die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe aus. Falls die indonesischen Behörden die Sicherheit der Ost-Timorer nicht gewährleisten könnten, müsse der UN-Sicherheitsrat die Stationierung einer multinationalen oder regionalen Friedenstruppe erwägen.

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