Politik : Unabomber

Kurt Sagatz

„Universities“ und „Airlines“ – aus den ersten Buchstaben dieser beiden Wörter setzt sich der Name „Unabomber“ zusammen, den sich Ted Kaczynski, der die USA zwischen 1978 und 1995 durch Bombenanschläge in Angst und Schrecken versetzte, als Pseudonym wählte. Ziel seiner Angriffe waren Manager großer Fluggesellschaften und Wissenschaftler, denn der ehemalige Mathematikprofessor ist der klassische Antipode des technologieverliebten Amerika, das Lutz Dammbeck in seinem Film „Das Netz“ ins Visier genommen hatte.

Zum Film hat Dammbeck jetzt das Buch „Das Netz – Die Konstruktion des Unabombers“ herausgebracht. Darin beschreibt er zum einem das symbiotische Verhältnis zwischen Wissenschaft und Kunst, zwischen LSD-Versuchen und wissenschaftlichen Visionen, die schließlich zur weltweiten Vernetzung geführt haben. Eine Entwicklung, die nicht erst mit dem Internetvorläufer Arpanet begann, sondern direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als die USA zum Schutz des Landes das gigantische Radarabwehrsystem Sage entwickelten. Zum anderen lässt er die Protagonisten jener Cyber-Elite in Interviews über die Ursprünge dieser Entwicklung sprechen – in einer auch für Nichtspezialisten verständlichen Weise. Zugleich aber bleibt Dammbeck Kaczynskis fehlgeleiteten Warnungen auf der Spur und lässt den Unabomber in Briefen zu Wort kommen.

Mit dabei: die erste deutsche Übersetzung des so genannten Unabomber-Manifests „Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft“, in dem sich Kaczynski für den Sturz der ökonomischen und technologischen Grundlagen der bestehenden Gesellschaft ausspricht.


Dieses Buch bestellen Lutz Dammbeck: Das Netz – Die Konstruktion des Unabombers. Edition Nautilus, Hamburg. 185 Seiten, 13,90 €.

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