Politik : Unaufhaltsam langsam

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Das Verhängnisvolle am Alterungsprozess der Gesellschaft ist, dass er so langsam abläuft. Und dass der Druck zum Handeln gering ist, wenn man einem Politiker von heute das Durchschnittsalter der Bevölkerung im Jahr 2050 unter die Nase reibt. Als die BertelsmannStiftung vor wenigen Monaten eine Umfrage in Auftrag gab, um herauszufinden, was die Deutschen über den demografischen Wandel denken, meinten drei Viertel der Befragten, dass das Thema von der Politik aus Feigheit nicht angegangen werde. Daraus schloss die Stiftung: „Es besteht kein Wissensproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Denn klar ist: Schon in wenigen Jahren wird aus dem Arbeitskräfteüberschuss eine dramatische Lücke. Normalerweise würde eine Volkswirtschaft darauf reagieren, indem sie entweder die Einwanderung oder aber die Produktivität der Arbeitskräfte – oder beides – erhöht. Nur, dass ältere Arbeitskräfte eben auch nicht mehr so leicht zu Produktivitätssteigerungen zu führen sind, im Gegenteil: Die Bertelsmann-Stiftung erwartet, dass die Produktivität eher zurückgeht, weil die Stärken älterer Arbeitnehmer im Erfahrungswissen und weniger im schnellen Reagieren auf neue technische Herausforderungen liegen. Deshalb ist das Wachstum in alternden Gesellschaften in aller Regel deutlich niedriger als in dynamischen jungen Ländern. Das aber heißt, dass sich auch die finanzielle Unterdeckung des Sozialsystems dramatisch verschärfen wird, wenn die Politik nicht handelt und alles so bleibt, wie es ist. Die Älteren haben beispielsweise schon einen Anspruch von deutlich über 1700 Milliarden Euro an das Rentensystem, hat die Bertelsmann-Stiftung errechnet – das aber schon heute längst nicht mehr allein von den Beiträgen der Versicherungspflichtigen leben kann. Das Problem für reformwillige Politiker: Wenn jetzt gehandelt wird, belastet das heutige Wähler – und kommt erst den Generationen zu Gute, die heute noch gar nicht geboren sind. uwe

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