Politik : Unausweichliche Zerreißprobe (Kommentar)

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Es ist das alte, verzweifelte Denkschema: Was damals richtig war, kann heute nicht falsch sein. Die Christdemokratie, zumal jener Teil, der auf der Linken "Basis" genannt wird, will Helmut Kohl so in Erinnerung behalten, wie sie ihn wahrnahm, als sie dem Monarchen zu Füßen lag. Die dunkle Seite der historischen Lichtgestalt - seine Anhänger wollen sie nicht wahrhaben. Verständlich, schließlich müsste so mancher sich darüber Rechenschaft ablegen, was er schon in den glanzvollen Zeiten des Ancien Régime nicht gesehen und was er falsch gemacht hat. Dieser Unbequemlichkeit mögen viele CDU-Mitglieder sich verweigern. Eine verantwortliche Führung darf es nicht. Vor allem: Sie muss die Konsequenzen ziehen - und zwar deutlicher noch, als Wolfgang Schäuble und Angela Merkel es begonnen haben. Ein letztes Mal könnten sie dabei von Helmut Kohl lernen: In seinen besseren Zeiten wusste er, wann es galt, die Wähler über die Mitglieder zu stellen. Nie hat er gezögert, sich von Mitstreitern zu trennen, die ihm gefährlich wurden. Kohl ist längst eine Gefahr für die CDU. Nicht erst, seit seine Gesetzesverstöße bekannt wurden. Er war der Grund für die Wahlniederlage 1998. Die aktuellen Umfragen sehen die CDU auf dem Weg zurück in dieses 35-Prozent-Ghetto. Mag sich ruhig einer finden auf dem Frühjahrsparteitag, der für diesen Weg antritt. Egal wie er heißt - wenn er gewinnt, wird die Partei mit ihm verlieren. 1998 hat Schäuble nicht gewagt, die Gefahr Kohl zu bannen. Mit den bekannten Folgen. Nun muss er es. Eine Zerreißprobe für die CDU? Ja. Eine unausweichliche.

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