Politik : Und sagte kein einziges Wort

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Von Rolf Obertreis, Frankfurt

10 000 Augenpaare blickten gebannt auf die rechte Seite des Podiums in der Frankfurter Festhalle. Dort saß Josef Ackermann, der neue Chef der Deutschen Bank. Würde er das Wort ergreifen auf dieser historischen Hauptversammlung der Deutschen Bank, auf der nach 132 Jahren zum ersten Mal ein Ausländer, genauer gesagt ein Schweizer, in die Rolle des Vorstandssprechers schlüpfte? Ackermann lächelte, machte sich Notizen. Und schwieg. Viele Stunden lang an diesem Mittwoch, bis zum Ende.

Schließlich wurde er erst nach Ablauf der Hauptversammlung Chef der Deutschen Bank. Er überließ seinem Vorgänger Rolf Breuer und Aufsichtsratschef Hilmar Kopper das Reden. Von Ackermann hörten die 5000 Aktionäre an diesem Tag kein Wort. Man halte sich an das Protokoll, sagt ein Sprecher der Bank.

Bei den Bankern in Frankfurt wurden dafür bei der Rede von Hilmar Kopper Emotionen sichtbar. Nach 48 Jahren bei der Deutschen Bank nahm Kopper seinen Abschied. Der sichtlich bewegte Kopper, der seinen Posten als Aufsichtsratschef abgibt, hatte es vom Lehrling zum Vorstandssprecher gebracht, ohne Studium. Und er hatte Josef Ackermann zur Deutschen Bank geholt.

Die einzige wirkliche Nachricht auf diesem historischen und doch unspektakulären Aktionärstreffen hatte Rolf Breuer parat: Sein Gehalt. Acht Millionen Euro waren es im Jahr 2001. Amerikanische Banken- Chefs brachten es auf bis zu 32 Millionen Euro.

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