Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Was an der Postbank am meisten erstaunt: In welcher Stadt auch immer man eine dieser Postfilialen betritt, in denen die Bank untergebracht ist, sind da acht, neun, zehn, zwanzig Schalter. Vor denen aber jeweils nur eine Schlange steht. Und von diesen Schaltern sind immer nur zwei oder drei besetzt. Die anderen – leer. Man fragt sich: Wozu sind sie da? Als Reserve gedacht für bessere Zeiten? Oder stammen sie aus den good old times, in denen es viel mehr Postpersonal gab? Man weiß es nicht.

Man weiß vieles nicht. An jeder Ecke wird uns vorgeworfen, wir sparten zu viel, wir sollten endlich Geld ausgeben, rund 2000 Milliarden hätten die Deutschen auf allerhöchsten Kanten liegen, netto, nach Abzug der Schulden. Raus damit, hinein in den Konsum! Man könnte von diesem Geld vierhundertmal die ganze Postbank kaufen und noch je ein Eis für alle Kinder, das ginge, viele Kinder haben wir eh nicht.

Andererseits heißt es ebenfalls an jeder Ecke, wir sollten sparen für das Alter, die Rente werde uns in methusalemischen Tagen nicht ernähren, wir müssten privat was zurück tun. Und in der „Frankfurter Rundschau“ steht, keineswegs seien die Deutschen die Sparmeister der Welt. Belgier und Briten hätten – gemessen an ihren Wirtschaftsleistungen – viel mehr auf der Bank, selbst die Italiener lägen vor uns, und verschuldet ist der Deutsche auch noch: doppelt so hoch wie jeder Finne. Was ist nur mit uns los? Soll Eichel sparen oder nicht? Der Bundeskanzler hat beim Sparkassentag gesagt, die deutschen Banken müssten bei ihrem Bemühen um die Schaffung einer Superwahnsinnsgroßbank endlich „in die Strümpfe kommen“. Das ist so eine Redeweise, wie sie populär wird. Dieses Barsche. Hätte Adenauer so mit HermannJosef Abs gesprochen? Im Manuskript stand doch wahrscheinlich: Dürfte ich sie freundlich bitten, die Konsortiumsfrage anzudenken… (Bevor Chaim Saban kommt und auch die Postbank kauft, als Altersversorgung. Und dann den deutschen Managern dankt für ihre Unentschlossenheit.)

„Opposition ist Mist“, hat Müntefering gesagt. Reden die so, wenn sie untereinander sind? Hans, reiß dich am Riemen, sonst gibt’s was auf die Mütze! Wolfgang, schreib dir das hinter die Ohren, oder bist du mit dem Klammerbeutel gepudert! Münte, das ist doch Asche, was du hier redest, mach dich mal locker! Überhaupt: in die Strümpfe? Müssen die weltweit als Socken-zu-Sandalen-Träger bekannten Deutschen nicht eher aus den Strümpfen kommen? Sich ’n bisschen frischer machen? Aus den Sparstrümpfen was rausschütteln? In die Puschen kommen? Aus dem Schmollwinkel kriechen? In die Zukunft schauen? Ach, raus aus den Kartoffeln, rin in die Kartoffeln – wir sind uns selbst ein Rätsel, was?

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