Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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In Düsseldorf wurde diese Woche die deutsche Olympiamannschaft für Athen eingekleidet. Die Damen, entnahm man der „FAZ“, trugen „über kurzen Stiftröcken mit einem Zierstreifen aus Satin kurze Blazer, die mit Reißverschluß leicht seitlich zu öffnen sind“. Die Herren Baumwollanzüge, „dreiknöpfig und schmal im Schnitt“. Dominierende Farbe: „Flame“, das ist „eine Schattierung von Apricot“. Man denkt gleich: Passt das zu uns? Die Auswahl des deutschen Volkes (in diesen Tagen auch nur eine Schattierung seiner selbst), seine Blüte, seine Jugend – in Apricot?

Sah man unsere Besten nicht früher stets grau gewandet, in Lufthansa Bleu oder allenfalls sandfarben? Ist es ein Zufall, dass man nun … Bei Apricot denkt man ja zunächst an Pudel, Apricot ist eine klassische Pudelfarbe, nicht wahr? Aber eigentlich ist es eine Frucht. Und ist an uns, den Deutschen, nicht wirklich etwas Aprikosenhaftes? Es kann nicht Zufall sein, dass die Modeleute, zunächst frei über der Farbpalette schweifend, dann direkter über einzelne Farben grübelnd – dass sie also bei der Aprikose hängen blieben, über deren engen Verwandten, den Pfirsich, Hermann Hesse einmal schrieb: „Sie werden ja nicht sehr alt, diese Bäume, und gehören nicht zu den Riesen und Helden, sie sind zart und anfällig, gegen Verletzungen überempfindlich, ihr harziger Saft hat etwas von altem, überzüchteten Adelsblut.“

Und die Aprikose selbst, das Früchtchen, ist samtig behaart, sensibel gegen Druck und Fall und bei Vollreife leicht mehlig; fast fühlt man sich an deutsche Fußballprofis erinnert. Im rauen Klima dieses Landes fühlt sich der Aprikosenbaum nicht heimisch, er liebt es sommertrocken und warm – geht es nicht vielen von uns so? Man muss sich fragen, warum so viele Deutsche bei jeder Gelegenheit ins Südliche oder überhaupt Tropische fliehen … Marillenmenschen! Hitzfeld, der nun entlassene Bayern-Trainer – wohin reist er, kaum dass er ein freier Mann ist? Mallorca.

Wir sind doch für den Süden gemacht. All unsere sozialen Systeme sind im Grunde nur eine Art Süden-Ersatz, Wärmehallen für ein angstvoll frierendes Volk, das zu weit nördlich lebt. Wussten Sie, dass die Aprikose zu den Rosengewächsen gehört? Bitte, der Apfel auch und die Erdbeere, ja, die Rosengewächse sind eine große, artenreiche Familie.

Aber bei der Aprikose berührt es einen mehr als beim Apfel, nicht wahr? Die Rose unter den Früchten, herrlich duftend, wenn sie wirklich reif ist, doch wird sie immer zu früh geerntet, weil harte Aprikosen sich besser für den Transport nach Norden eignen. Die Aprikosen kommen zu uns. Viel besser wäre es, wir kämen zu ihnen. Wir, die Deutschen, ein Volk von Schattenmarillen, verkannte Aprikosen allesamt.

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