Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Wie jedes Jahr im Juni erwartete ich auch jetzt mit fiebriger Spannung die Ergebnisse des ADACRaststätten-Tests. Die Europameisterschaft der Autobahnversorger! Noch mal blättern in alten Ergebnislisten, 2002 zum Beispiel, da lag die Schweiz in der Mannschaftswertung vorne, aber in der Einzelkritik holte Montélimar Ost (Frankreich) den Pokal. Noch mal die Erinnerung an das Desaster der Tschechen. Wer könnte je das Mangelhaft für die Raststätte Pruhonice 1 an der D1 Prag-Brünn vergessen? Anlage sehr schmutzig, Wegwerfgeschirr, keine Zahnstocher, Kaffee bitter, Benutzungsgebühr für unsaubere Dusche 1,62 Euro. Oder Lenka Dvorakova zwischen Humpolec und Jihlava: Teller angeschlagen, Schlaglöcher in der Ausfahrt. Die ganze tschechische Raststättenverbandsführung musste zurücktreten, ein fürchterliches Aufräumen.

    Aber die Deutschen! 2002 unteres Mittelfeld, Holzhausen Nord mit effektivem Abräumservice, doch angetrockneten Soßen und einem Schrottauto auf dem Parkplatz. Die Wende: 2003. Schwächen noch in Jettingen-Scheppach, wo zwei Pissoirs und das Internet-Terminal nicht funktionierten, auch in Hardtwald West – dort gab es zwar eine „Hundebar“, aber die Lüftungsauslässe in den Toiletten waren verschmutzt. Aber doch der Gesamtsieg! Und sogar die Nummer eins in der Einzelwertung, Hegau West an der A 81, Kenner wissen, wovon ich rede.

    Und welches Glück, welch’ rauschhaftes Empfinden nach der Lektüre der 2004er Ergebnisse! Sieben von zehn Anlagen „gut“, Testsieger Vogtland Süd bei Plauen. Wie schön, dass unsere Rastanlagenbetreiber es den Tunnelbauern nachmachen konnten, die im ADAC-Tunneltest mit dem Rennsteig und dem „Berg Bock“ bei Meiningen die Plätze eins und zwei abräumten.

    Wir sind eben eine Rastanlagen- und Tunnelnation. Und es hat sich gezeigt, wie solide Aufbauarbeit und die mutig-gezielte Heranführung jüngerer Raststätten und Tunnels letztlich doch zum Ziel führen. Mit frohem Sinn dürfen wir dem großen Ziel entgegen blicken, analog zur „Romantischen Straße“ und der „Weinstraße“ eine „Deutsche Raststättenstraße“ zu schaffen. Der Urlaub im eigenen Lande wird immer beliebter, warum soll man nicht an deutschen Autobahnen Wellnesslandschaften anbieten, mit preiswerter Gasfußpflege und ayurvedischer Knautschzonenmassage?

    Man sieht das vor sich, wie die Leute nach den Ferien mit Nachbarn Tipps austauschen: Wir kennen da an der A9 ein reizendes Rasthöfchen, pssst, die machen ihr Benzin noch selbst. Und dieser süße kleine Tunnel im Weserbergland, ganz versteckt, und wir waren allein, nur an der Notrufsäule saß ein holländisches Paar, der Mann hat uns dann seine Kellerasselsammlung gezeigt, hinreißende Menschen… 

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