Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Dass dem Fußball etwas Religiöses oder doch QuasiReligiöses anhaftet, bitte, das kann keinem Verständigen verborgen geblieben sein.

Wir dürfen erinnern an Herbert Zimmermanns „Toni, du bist ein Fußball-Gott!“, ausgerufen im Jahre ’54. Daran, dass sie in Neapel jahrelang nicht Madonnen in Umzügen durch die Stadt trugen, sondern „Maradonnen“, jenen kleinen Dicken feiernd, der seine eigene Hand „die Hand Gottes“ nannte. An die „Zeugen Yeboahs“, welche vor Jahren in Frankfurt einem gleichnamigen Eintracht-Spieler huldigten. Niemand kommt, wenn es um Fußball geht, an Gott vorbei, „außer Stan Libuda“, wie es vor Jahrzehnten an mancher Gelsenkirchener Wand geschrieben stand.

Übrigens kam jener wunderbare Stürmer zwar an Gott, aber oft nicht an Otto Rehhagel vorbei. Der war zu Zeiten ein berüchtigter Verteidiger und musste (so will’s die Sage) den Sensiblen und Eifersüchtigen nur fragen, wie es seiner Frau gehe – schon war Libuda außer Form.

Dieser Rehhagel hat nun in einem Gespräch mit der „Zeit“ auf die Frage geantwortet, warum es in Deutschland keinen Stürmer „vom Schlage Wayne Rooneys“ gebe: Das liege an Gott selbst. „Der liebe Gott schickt die Menschen auf die Erde. Pelé hat er in Rio de Janeiro aufwachsen lassen, Platini in Paris, Zidane in Afrika, Beckenbauer in München, Netzer in Mönchengladbach.“ Und Rooney eben nicht bei uns. Was für ein rührendes Bild: Gott als Fußball-Freak, der mal diesem Kontinent, mal jenem einen großen Kicker schenkt. Ob er sich manchmal noch direkter kümmert? Jedenfalls lesen wir von Horst Eckel, 1954 rechter Läufer in der Weltmeister-Elf, den Satz: „Gott muss beide Füße im Spiel gehabt haben.“ Und er schießt bekanntlich rechts so gut wie links! Theologisch ist das natürlich sehr umstritten: Nehmen wir nur die rheinische Landeskirchenrätin Elke Wieja, eine Fußballfreundin, die sich in einem Interview zur Europameisterschaft dahingehend geäußert hat, dass „ich nicht glaube, dass sich Gott ins Fußballspiel einmischt. Fußball ist – trotz aller Vermarktung – nur ein Spiel.“ Ja, nun, aber vielleicht, nein: ganz sicher ist Gott ein Spieler. Und manchmal mag die Versuchung sehr groß sein, da ein bisschen mitzumachen, wo unsereiner nur machtlos zusehen kann. Man sollte andererseits nicht vergessen, dass Rehhagel nun seit Jahren Griechentrainer ist und vielleicht von der Antike beeinflusst, wo ja die Götter dauernd im Erdengeschehen mitmischten. Und wo sich Zeus längst eine schöne Athenerin geschnappt hätte, um einen Wunderstürmer zu zeugen. Wann wird aber nun Gott uns einen neuen Müller schenken? Lässt er längst irgendwo ein Seelerchen heranwachsen? Oder wird Gott es zulassen, dass wir 2006.…? Leider, leider: Das wissen nur die Götter.

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