Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Nicht ohne Melancholie hört man die Prognose des Bundesverkehrsministeriums, der Güterverkehr werde bis 2015 (verglichen mit 1997) um 67 Prozent zunehmen. Noch mehr Güter? So viel mehr Güter? Wir trinken doch schon Bier aus Mexiko, essen Fleisch aus Südamerika und in Marokko gepulte Krabben – ja, woher sollen noch mehr Güter kommen? Egal. Es wird so sein. Und Herr Riemann, der Verkehrsexperte des Deutschen Groß und Außenhandels verlangt, man soll auf den Straßen größere Lastautos zulassen, Sechzig- statt bloß Vierzigtonner, 25 Meter lang statt 18,5. Gibt es nicht in Australien Sattelschlepper, die mehr als 50 Meter lang sind und zwei Anhänger haben? Ja, gibt es.

Was soll man machen, wenn die Gütermenge derart ins Unfassbare schwillt? Lkws breiter machen geht nicht, dann kommt man an ihnen gar nicht mehr vorbei. Höher machen? Auch nicht, dann reißen sie die zierlichen Brücklein ein, auf denen Menschen stehen und den Güterverkehr bestaunen, und sie demolieren die Stahlkonstruktionen, mit deren Hilfe Onkel Stolpe eines Tages (wenn ihr groß seid, Kinder!) die Maut einheben wird. Also macht man sie länger und länger und länger, so lang, dass Gunter Gabriels Song vom Dreißigtonner-Diesel nur ein Spottgesang sein wird. Und wenn es eines Tages noch mehr Güter gibt, verlängert man sie wieder. Und wieder. Und wieder.

Irgendwann wird es Lkws geben, so lang wie die Avus. Sie werden, wenn ihr Fahrer am Ende beim Autobahndreieck Funkturm das Bremsen vergisst, weil er ein bisschen eingeschlafen ist, eine Schneise durch die Stadt ziehen und erst in Pankow zum Stillstand kommen. Sie werden die Dieseltanks riesiger Autobahntankstellen mit einem Schlürfen zur Gänze leeren. Sie werden sich durch die Innenstadt Heidelbergs ringeln wie fauchende, brummende Lindwürmer. Sie werden sich am Irschenberg zwischen München und Salzburg gegenseitig überholen. Und die ihnen folgenden Autofahrer werden ihre Schädel gegen die Lenkräder schlagen vor Zorn und jeden Lastwagenfahrer in kochendem Kühlwasser sieden wollen, denn eigentlich könnten sie mit ihren sehr schnellen Autos 350 fahren, aber nur eigentlich.

So wird es kommen. Am Ende wird sich ein einziger Lastwagen durch Deutschland ringeln wie das Förderband im Running-Sushi-Restaurant. Man wird ihm am jeweils passenden Ort gewaltige Gütermengen entnehmen,während er langsam weiterdieselt, ein stinkender Drache, der unser Land verseucht, auf dessen Anwesenheit wir aber nicht verzichten können. Ohne argentinisches Fleisch, mexikanisches Bier und in Marokko gepulte Krabben können wir ja nun mal nicht mehr leben.

So viel für heute. Nächsten Sonntag einige Worte zu Plänen des holländischen Camping-Clubs, seine Mitglieder mit hundert Meter langen, überbreiten Wohnwagen auszurüsten.

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