Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Gelegentlich wird geklagt, wir hätten keine Straßenfußballer mehr, keinen von jener Art, die einst die große Kunst des Kickens in Hinterhöfen lernte und mit allem kickte, was sich kicken ließ: zusammengefaltete Kakaotüten, leere Konservendosen, alte Sockenpaare, ja sogar – Bälle. Das ist vorbei. Das gibt es nicht mehr. Wer heute Fußball spielen will, bekommt mit vier die Stollenschuhe, dann ein BallackShirt und eine Zehnerkarte für den Wadenmasseur, tritt in den nächsten Fußballklub ein, übt auf geschorenem Rasen – und wenn er was kann, steht am achten Geburtstag ein Aufkäufer des FC Bayern in der Tür und sagt: „Huhu, Vertrag!“ So läuft es doch. Da liegen die Ursachen unseres Fußball-Elends. Dass den Jungs die Kraft der Straße fehlt.

Wer aber in diesem wie auch anderen Sommern ein, zwei, drei Tage im Freibad verbrachte, der weiß: Es gibt einen Sport, den die Jugend mit Wonne treibt. Dieser Sport ist das Arschbombenspringen. Kein Pool im Land, an dem nicht unser Nachwuchs Mal um Mal seine fülligen Leiber ins Wasser segeln ließe. Kein Wasserspiegel weit und breit, der nicht wieder und wieder unter dem Aufprall adipöser deutscher Jungenkörper zerklatschte. Es fügt sich ja auf wundersame Weise, dass hier die oft beklagte Neigung der Landesjugend zur Fettsucht zum herrlichen Vorteil im Wettkampf wird. Denn je größer der Arsch, desto schöner die Bombe, so ist das, so war es immer.

Es fügt sich, dass an diesem Wochenende in Bayreuth die Weltmeisterschaft im Arschbombenspringen ausgetragen wird und dass ein Deutscher die Schaumkrone des Weltmeisters verteidigt. Sechs Punktrichter werden von der „Entschlossenheit des Athleten beim Einschlag“ bis zum „Volumen der hochkommenden Wassersäule“ bewerten, was des Bewertens würdig ist. Fünfzig Arschbomber werden springen, was wir alle in unserer Jugend mehr oder weniger gut dem Publikum zeigten: die Arschbombe in ihrer beeindruckenden Vielfalt, vom klassischen „Cannonball“ über die „Yogi-Bombe“ zum edelschwierigen „Reißer“, bei dem der Körper wannenartig aufs Wasser schlägt. Das ist wahrer Breitensport, im Volk verwurzelt. Hier wäre Platz für unseren dicken Ulle mit seiner Neigung zu übermäßigem Riegelfraß, nicht bei der Tour de France! Schon gibt es einen Bundestrainer, schon wenden sich die Blicke von Athen nach Bayreuth. Schon freuen wir uns auf die beckenleerenden GastSprünge der Freunde des japanischen Sumo-Ringer-Bundes, schon melden sich erste Politiker, die sich nicht zieren würden, einem noch zu gründenden Deutschen Arschbomben-Bundesverband zu präsidieren: Oskar La Fontäne und Guido Wester-Welle. Wir grüßen sie alle mit dem großen ArschbomberGruß, einem dreifach-herzlichen „Jahuuuuu-Womm“.

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