Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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An dieser Stelle nun ein Wort zur Arbeit des Rinderzüchters Raúl Hernández aus San Juan y Martínez auf Kuba. Raúl Hernández ist es gelungen, mit Hilfe eines außerordentlich klein geratenen Stiers namens „Nanino“ sehr kleine Kühe hervorzubringen, „handliche Kühe“, wie er selbst sagt, „schon fast im Taschenformat“. Das ist ein wenig übertrieben, denn die Tiere von Raúl Hernández haben immer noch neunzig Zentimeter Schulterhöhe. Aber er steht ja am Anfang. Auf sechzig Zentimeter werde er die Tiere hinunterzüchten, sagt Raúl, ohnehin wolle er seine restlichen Lebensjahre ganz der Verkleinerung von Rindern widmen. Leider ist er schon 74.

Die Miniaturisierung von Nutztieren müsste ja ein Menschheitsprojekt sein, vergleichbar dem Mondflug oder der Krebsbekämpfung. Ich verstehe nicht, dass man diese Sache so gering schätzt und dass sich kubanische Idealisten mit unzulänglichen Mitteln an einer so großen Angelegenheit abarbeiten müssen.

Wenn man bedenkt, dass in sehr vielen Haushalten unseres Landes Tiere leben, die in der Regel ganz und gar keinen praktischen Nutzen haben (von ein paar Wachhunden abgesehen), Tiere, die ausschließlich Streicheltiere, Knutschtiere, Betrachtungstiere, Kommandiertiere sind, vom Hamster zum Meerschwein, von der Schildkröte zum Goldfisch, vom Terrier zum Terrariumslurch… Wenn man das also mal bedenkt. Und wenn man dazu in Betracht zieht, dass auch diese Tiere gefüttert und gepflegt werden wollen, dass man also ihretwegen Aufwand treibt.

Dann liegt die Frage nahe, warum man nicht nützlichere Tiere in unseren Reihenhäusern und Etagenwohnungen leben lässt. Kühe, die Milch geben. Schafe, die Wolle spenden. Hühner, die Eier legen. Adler, die Fliegen fangen.

Die Antwort: Weil diese Tiere zu groß sind. Wenn man sie nun aber kleiner machen würde! Wenn man Kühe auf Spanielformat brächte, Schafe auf Hamsterhöhe, Hühner auf Sittichgröße, dann hätten wir Haustiere, die uns auch etwas geben könnten. Kuhmilch würden wir direkt in den Kaffee melken. Eine Schafherde würde am Feierabend unsere Füße wärmen. Kleine und deshalb cholesterinärmere Hühnereier lägen in großer Zahl immer frisch zum Verzehr bereit. Die Transportwege von Nahrungsmitteln entfielen. Benzin würde gespart. Die Tiere müssten nicht in riesigen Ställen unter unwürdigen Bedingungen vegetieren, sondern wir würden uns Urformen des Zusammenlebens von Mensch und Vieh auf modernste Weise wieder nähern.

Ein großes, schönes Ziel. Raúl Hernández ist ihm näher gekommen, ein kleiner Mann aus Kuba. Kuh-ba. Wir danken ihm. Viva la Revolución. Melkeremos!

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