Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Nun hat die R+V Versicherung/Wiesbaden wieder ihre große Studie über die Ängste der Deutschen vorgelegt und dabei mitgeteilt, der „Angstindex“ liege in diesem Jahr bei 4,35, sei also gegenüber dem Vorjahr (4,42) leicht gesunken, liege aber immer noch auf dem zweithöchsten Punkt seit Beginn der Angstmessungen im Jahr 1991. Angstindex! Diese Versicherungsleute fragen tatsächlich Jahr für Jahr 2400 Deutsche bei 15 Ängsten nach ihrer persönlichen Einstufung auf einer Skala von eins (keine Angst) bis sieben (sehr große Angst). Und errechnen eine Zahl, den jährlichen Angstindex. Wen das nicht an Erdbebenmessungen mit der nach oben offenen Richterskala erinnert, dem ist nicht zu helfen.

Die Richterskala beginnt ja bei eins (nur durch Instrumente nachweisbar) und führt über fünf (aufweckend) sowie 5,3 (erschreckend) hin zu 8,5 (landschaftsverändernde Vernichtungen). Neun und darüber wurde nie beobachtet. Natürlich kommt einem der Gedanke, man könnte auch den Angstindex nicht bloß durch Umfragen ermitteln, sondern an entsprechende deutschlandweite äußere Erscheinungen knüpfen. Das würde bei eins (Nacht, ruhiger Tiefschlaf) beginnen und über folgende Stufen nach oben führen: zwei (Ansteigen der Zuschauerquote von „Aktenzeichen XY“), drei (RekordAbschlüsse bei Lebensversicherungen), vier (vermehrte Berichte über Entführungen durch Außerirdische), fünf (Eierwürfe auf Bundeskanzler), sechs (Hamsterkäufe), sieben (NPD in Umfragen über 25 Prozent), acht (Überfall auf Polen). Und so weiter.

Irgendwie fragt man sich, warum über den Angstindex und seine Entwicklung nicht täglich in den Nachrichten berichtet wird. Man könnte die Reportagen über Schwankungen des Dax durch Informationen zum Auf und Ab des Bundes-Angstindex (Bangst) ersetzen. Welche Ängste heute besonders groß sind. Worüber wir heute besonders viel und gut sprechen sollten. Was wir heute unbedingt hinausschreien müssen.

Der nächste Schritt: Prognose! Wetterbericht, Pollenflugvorhersage und Staumeldungen werden durch stündliche Angstberichte im Radio ergänzt: Den Großraum Bautzen sollten Sie heute morgen weiträumig umfahren, die Bevölkerung hat allgemein schlecht geschlafen und miserabel geträumt, unter anderem von hässlichen, Menschen fressenden Ungeheuern und stinkenden Höllenhunden. Bitte meiden Sie auch die Innenstadt von Braunschweig, die dortige Lokalzeitung hat einen Bericht über BSE im Blatt, die Bevölkerung ist aufgeregt. Fahren Sie nicht durch die Kantstraße, dort geht ein Mann mit einem großen, nicht angeleinten Hund spazieren. Angstschauer in Essen, Furcht und Zittern in Kassel, Angststürme in Stuttgart!

Ach, Deutschland…

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