Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Einiges Aufsehen haben Berechnungen des Mathematikers Andrew Tatem erregt, denen zufolge bereits bei den Olympischen Spielen 2156 eine Frau die 100 Meter schneller laufen wird als ein Mann. Vorausgesetzt, Frauen und Männer steigern sich so, wie sie ihre Leistungen in den vergangenen hundert Jahren gesteigert haben, wird die Olympiasiegerin dann 8,079 Sekunden, der Olympiasieger aber 8,098 Sekunden für die Sprintstrecke benötigt haben. Mag sein. Interessanter als dieser Geschlechtervergleich ist aber, welch unglaubliche Entwicklungen in der Leichtathletik sonst noch bevorstehen, wenn Männer wie Frauen immer besser werden und besser und besser…

Nehmen wir noch mal die hundert Meter. Der Olympiasieger 1896, Thomas Burke (USA), benötigte zwölf Sekunden, der Gewinner 2004, Justin Gatlin (USA), 9,85 Sekunden. Das ist in 108 Jahren eine Leistungssteigerung von 18 Prozent. Setzt sich das fort, wird der Sieger in weiteren 108 Jahren 8,08 Sekunden laufen. Voraussichtlich im Jahr 3300 wird dann der erste Mann hundert Meter unter einer Sekunde schaffen, im Jahr 5784 absolviert der Sieger die Strecke in neun Tausendsteln. Bei Frauen tritt die Entwicklung, wie gesagt, früher ein, vorausgesetzt, man lässt Fachleute wie Herrn Springstein endlich in Ruhe arbeiten.

Irgendwann danach wird der 100MeterLauf praktisch nicht mehr existieren, weil Start und Zieleinlauf identisch sind. Der Marathon-Olympiasieger wird 5784 n. Chr. übrigens nur 14 Sekunden für seine Strecke benötigen, vorausgesetzt, die Langstreckler steigern sich, wie von 1896 bis jetzt, alle 108 Jahre um 18,6 Prozent.

Man bedenke die Folgen für die Spiele. Zwischen einer fünfstündigen Eröffnungs- und der dreistündigen Schlussfeier wird man in zwei, drei Minuten alle Laufwettbewerbe durchziehen können, es sei denn, man schafft die 100 Meter ab, macht den Marathon zur Sprintstrecke und lässt die Marathonläufer einmal die Erde umrunden.

Spektakulär übrigens die Entwicklung im Stabhochsprung. Zwischen der Höhe des Siegers 1896 (William Hoyt, 3,30 Meter) und der des Gewinners 2004 (Timothy Mack, 5,95) liegt eine Steigerung um gut 80 Prozent. Geht das so weiter, wird schon bei den Spielen 5244 der erste Stabhoch-Olympiasieger auf dem Mond landen! Präsident Bush soll bereits angeordnet haben, die Finanzierung der Nasa einzustellen und alle entsprechenden Mittel in den Schulsport und die Pharma-Forschung umzuschichten, zumal ungefähr im Jahr 6000 die Kugel des weltbesten Kugelstoßers die Strecke zum Mars zurücklegen würde, das heißt, alle olympischen Kugelstoßer zusammen könnten mit einem kräftigen „Hupp!“ ein kleines Raumschiff dorthin auf den Weg bringen – vielleicht sogar mit einigen IOC-Mitgliedern als Insassen?

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