Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Zur Frage, ob Elefanten weinen können, gibt es die erstaunlichsten Berichte. Schon Charles Darwin berichtete von Fang und Fesselung ceylonesischer Dickhäuter: die Tiere seien, nach langem Ringen am Boden liegend, geradezu tränenüberströmt gewesen und hätten „erstickte Schreie“ von sich gegeben. Der Zoologe Sanderson erzählt in seinem Buch „The Dynasty of Abu“ von einer Elefantenkuh namens Sadie in Lancaster/Missouri: Sie begriff eine Zirkusübung nicht, die man ihr beibringen sollte, wurde dafür bestraft und sank schließlich zuerst auf die Knie, dann auf die Seite und weinte „wie ein Kind“. Der ElefantenExperte Kock schreibt in „Elefanten, mein Leben“, er habe einmal auf Mallorca einen Elefanten in einem elenden Pferch entdeckt, der ihm den Rüssel entgegenreckte und zirpte wie ein Kanarienvogel. „Ich war seit dem Tag überzeugt, dass Elefanten weinen können.“

Aber hat es ihnen was gebracht? Bah. Tränen nützen nichts. Der Mensch braucht die Tiere, er isst sie und reitet auf ihnen, er lässt sie Stöckchen und Minen suchen, injiziert ihnen Viren aller Art, und wenn ihm danach ist, heißt er sie, im Zirkus durch brennende Reifen zu springen. Mitleid? Manchmal. Aus Peking hört man, am dortigen Tierforschungsinstitut sei ein Gedenkstein für die unbekannte Maus enthüllt worden – zur Erinnerung an die vielen Mäuse, Ratten, Schweine, Kaninchen und Affen, die ihr Leben ließen im Kampf gegen Sars, die Lungenkrankheit. Sie starben, um Menschen zu retten, das muss nun wohl mal so sein, und dass die Forscher ihrer gedenken, ehrt diese. Habe ich nicht vor Jahren ein „Denkmal für eine unbekannte Ratte“ am Berliner Tierheim Falkenberg gesehen? Kann sein.

Doch generell muss man sagen: Wie sehr, sehr unterentwickelt doch das Denkmalwesen ist, wenn es um Tiere geht! Gewiss gibt es den Löwen auf dem Braunschweiger Burgplatz, die Pferde auf dem Brandenburger Tor, den obeliskentragenden Elefanten auf der römischen Piazza della Minerva, den Markuslöwen in Venedig, die Statue des Fuchshengstes „Copenhagen“ mit dem Duke of Wellington im Sattel an der Hyde Park Corner in London. Das ist der ganze heldische Kram.

Doch wer gedenkt der Millionen gepeinigter Hühner, die in winzigen Käfigen vegetieren, damit beim Discounter die Eier ein paar Cent billiger sind? Oder wer erinnert an die mit Pech bestrichenen brennenden Schweine, welche die Römer einst feindlichen Elefanten entgegen trieben, um sie in Panik zu versetzen? Im Dörfchen Couin an der Somme gibt es einen Gedenkstein für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Pferde, Hunde und Gas spürenden Sittiche. In London-Mayfair steht ein großes Denkmal, den im Krieg getöteten Tieren gewidmet. „They had no choice“, steht da. Sie hatten keine Wahl. Wer hat die Wahl? Der Mensch? Manchmal schon, oder?

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