Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Manche Leute können sich nicht darüber beruhigen, dass der Regierende Bürgermeister Wowereit im Bildungskanal RTL einige Fragen zu Geschichte, Rechtschreibung und Mathematik nicht richtig beantworten konnte. Den Zweiten Weltkrieg vermochte er nicht zu datieren, „Rhythmus“ wollte er „Rythmus“ schreiben und als Ergebnis für „3 + 8 x 2“ errechnete er „20“. Das ist natürlich ein Desaster. Andererseits muss man sagen dürfen, dass die so umfassend gebildeten und gewiss ihrerseits oft und hart geprüften Redakteure des Senders RTL – der doch große Verdienste um das intellektuelle Niveau der Deutschen hat – ein bisschen unfair mit Wowereit umgegangen sind.

Jeder Bürger, der sich bei RTL (ohne dessen stetes Qualitätsbemühen das Niveau deutscher Schüler gewiss noch weit niedriger läge) um den Gewinn einer Million Euro bewirbt, muss ihm gestellte Fragen ja nicht ohne jede Unterstützung aus der Fülle seines Wissens beantworten. Sondern RTL, dem dies natürlich angesichts seiner umfassend gebildeten Angestellten ein Leichtes ist, gewährt ihm Hilfe. Vier mögliche Antworten werden vorgegeben. Es gibt Joker. Er darf Experten anrufen.

Das alles blieb Wowereit verwehrt. Er war allein mit sich und seinem Hirn. Gewiss hätte er, mit den Schreibweisen „Rhythmus“, „Rythmus“, „Rytmus“ und „Rhytmus“ konfrontiert, Simon Rattle (nicht: Rhattle!) angerufen und um Rat (nicht: Rhat!) gebeten, denn er hätte sich an dessen Film „Rhythm is it“ erinnert. Für den Fall der Rechenaufgabe hätte er seinen Finanzsenator, vielleicht auch den ähnlich begabten und im nonchalanten Umgang mit weit größeren Zahlen längst legendären Hans Eichel mit in die Sendung genommen, um dann mit dem Publikumsjoker der Lösung näher zu kommen. Allerdings wäre das angesichts des bekanntermaßen geradezu finnischen Wissenstandes der RTLStudioZuschauer unnötig gewesen.

Und was den Zweiten Weltkrieg und dessen Daten angeht, so hätte RTL (nicht RhThL!), dessen gnadenlos hoher Qualitätsanspruch immer zuerst das eigene Programm betrifft, dem Bürgermeister vier verschiedene Daten (1900-1950, 1618-1648, 1210-1211, 1939-1945) vorlegen können. Daraus hätte er mit dem Fifty-fifty-Joker zwei falsche herausgefiltert und sich dann gewiss fürs richtige Datum entschieden. Einen lebenden Kriegsteilnehmer, Helmut Schmidt etwa, hätte er ja nicht mehr fragen dürfen.

Man muss also darauf hinweisen, dass Wowereit es mit verschärften Bedingungen zu tun hatte. Jede diesbezügliche Kritik an RTL verbietet sich jedoch angesichts der nicht nachlassenden Anstrengungen dieses Senders, den Deutschen in seinen Programmen geistiges Niveau und menschliche Haltung Tag für Tag nahe zu bringen, ja: vorzuleben.

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