Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Aus der Geschichte der Luxushunde sind reizvolle Geschichten und Sagen zu erzählen. Sei es von den Chihuahuas aztekischer Adliger, welche ihre Tierchen mit den gehackten Hoden junger Sklaven fütterten (wobei die Männer ihrerseits vor der Kastration drei Monate nur eine Diät aus scharfen Kräutern speisten). Sei es von den Pekinesen der chinesischen Kaiserin ZszeHsi. Sie wurden im Krankheitsfalle mit einer Salbe aus dem gereinigten Fett des Schneeleoparden eingerieben und schlürften zur Genesung einen Drink aus Drosseleiern und dem Saft der Ochsenbergfrucht, gewürzt mit drei Prisen gemahlenen Rhinozeroshorns.

Nun haben wir auch einiges vom Leben der Daisy Irena de Pittacus von Jockgrim erfahren, einer Yorkshiredame, welche erhebliche Teile ihres Lebens auf dem Arm des verstorbenen Herrenbekleiders Moshammer verbrachte, hierin jenen Palasthunden aus der MingDynastie nicht unähnlich, die man „Ärmelhunde“ nannte, weil sie in voluminösen chinesischen Ärmeln getragen wurden. Frau von Jockgrim bevorzugte am Tisch ihres Herrn handgeschnittenes Rindertatar, und wenn sie nicht auf dem Moshammerschen Arme weilte, hockte sie in einer Louis-Vuitton-Tasche.

Hierzu möchte man nun allerdings als Freunde der Yorkshire-Terrier einige Worte sagen. Denn im Gegensatz zu den erwähnten Schoß- und Schlosskötern sind die Yorkshires keineswegs geborene Luxuswesen. Sondern sie stammen aus den Haushalten schottischer Bergwerks- und Textilarbeiter, die der Arbeit wegen aus ihrer Heimat nach Yorkshire gewandert waren und dort im 19. Jahrhundert kleine Hündchen züchteten, die sich ganz und gar der Bekämpfung der Rattenplage in den verkommenen Arbeitervierteln widmeten und obendrein bisweilen mit einem hübschen Kaninchenbraten von der Jagd nach Hause kamen. Manche ihrer Herrchen missbrauchten sie zu dubiosen Wettkämpfen, die jener Hund gewann, der in einem Käfig in vorher festgelegter Zeit die meisten Ratten killte. Der berühmte Zuchtrüde „Huddersfield Ben“, Stammvater der Rasse, war ein ganz Großer auf diesem Sektor.

Was ein Yorkie zu ertragen bereit und in der Lage ist, bewies im Zweiten Weltkrieg die Hündin „Smokey“, die der Amerikaner William Wynne in einer Muschelhöhle in Neu Guinea fand, nahe der japanischen Front – und ganz allein. Smokey begleitete von da an den Soldaten Wynne bei 150 Luftangriffen und zwölf Luft-See-Rettungsmissionen, überlebte einen Taifun auf Okinawa und sprang mit einem Spezial-Fallschirm von einem Neun-Meter-Turm. Zum Sieg der USTruppen in Fernost trug sie das Ihre bei, indem sie Telefonkabel durch 21 Meter lange, aber nur 20 Zentimeter hohe Röhren verlegte.

Wahrscheinlich können nur Tiere mit solchen Genen in der Münchner Schickeria überleben. Harte Hunde, die Yorkies.

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