Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Der Nachfolger von Friedrich Merz als finanzpolitischer Sprecher der Union im Bundestag heißt Michael Meister. Herr Meister hat gesagt: „Auch wenn Friedrich Merz gegangen ist, ist der Bierdeckel nicht tot, wie einige behaupten.“ Interessant. Lebende Bierdeckel. Wo leben Bierdeckel? Im Präsidium des FußballBundes? Mal langsam. Von Merz stammt die Idee, Steuererklärungen auf Bierdeckeln zu verfassen – was eine gewisse Vereinfachung der bisher üblichen Erklärungen voraussetzen würde. Und diese Idee wird weiter verfolgt? Man will immer noch was vereinfachen?

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Wer ein Spiel der Fußball-WM 2006 besuchen möchte, muss jetzt seine Karte bestellen. Er muss dazu einige Stunden am PC verbringen und allerhand persönliche Daten inklusive Geburtsdatum und Personalausweisnummer angeben. Welche Mannschaften in dem Spiel, für das er Karten bestellt, gegeneinander spielen, kann er nicht wissen. Er muss nehmen, was kommt, kann die Karte nicht verschenken und sollte sich, falls er seine Frau mitnehmen will, vor der WM nicht scheiden lassen, denn auch ein Wechsel der Begleitperson scheint unmöglich. Dagegen sind Steuererklärungen Kinderkram.

Des Weiteren erfuhr man dieser Tage, dass die Gebühreneinzugszentrale vom 1. April an Personendaten bei kommerziellen Adressenhändlern kaufen darf, zum Beispiel Abo-Karteien von Fernsehzeitschriften. Mit solchen Informationen bewaffnet, fragt einen dann der nette GEZ-Beauftragte, wozu man eine Programmzeitschrift lese, wenn man angeblich keinen Fernsehapparat besitze. Man fragt sich, wo die Leute sind, die 1987 so vehement gegen die Volkszählung protestiert haben – heute werden wir vom Weltfußballverband und der GEZ gezählt, ohne dass irgendjemand sich aufregt. Erkundigt sich demnächst der GEZ-Mann, wo man die WM-Spiele angucke, für die man keine Karten bekommen habe – er habe von der Fifa was läuten hören?

Noch mal zum Bierdeckel. Wie es aussieht, wird man künftig in der Kneipe unter Angabe seiner Ausweis-, Kreditkarten-, Konto- sowie Hausnummern einen Bierdeckel ausfüllen, um Getränke zu bestellen. Und bekommt dann nicht unbedingt die zwei Bier, die man wollte. Sondern etwas anderes, gerade Verfügbares, einen Fernet etwa, den man nur in Anwesenheit seiner Mutter trinken darf. Aber man muss ihn selbst trinken, er ist nicht übertragbar.

Übrigens muss man bald seine Steuererklärung nicht mehr bei der Finanzbehörde abgeben. Sondern bei Fifa oder GEZ. Bundesliga-Karten gibt es dafür beim Finanzamt. Wer das 200-seitige Antragsformular bis morgen, neun Uhr, richtig ausgefüllt hat, bekommt eine CD mit den hundert schönsten Reden von Michael Meister geschenkt. Das ist die reine Wahrheit. Ich schwör’s beim Leben meines Bierdeckels.

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