Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Ein kluger Mann hat mal geschrieben, eine Wette sei die Dramatisierung dessen, was ohnehin geschieht. Darüber kann man insofern streiten, als zum Beispiel bei Pferderennen nicht klar ist, ob sie, gäbe es das Wetten nicht, wirklich noch „ohnehin geschehen“ würden. Wer würde zum Pferderennen gehen, wenn er nicht wetten dürfte? Oder Lotto, da ist die Sache aber eindeutig! Niemand würde im Fernsehen Zahlen ziehen, wenn nicht Leute auf diese Zahlen wetten würden.

Insofern ist hier die Wette bloß Dramatisierung von etwas eigentlich gänzlich Undramatischem. Man stelle sich vor, die Lottozahlen würden jeden Samstag in großen Stadien gezogen! Die Fans der 7 stünden mit Transparenten in den Südkurven, ihnen gegenüber besoffene Fahnenträger, welche seit eh und je die 43 verehren, während sich in der Gegengerade die Hooligans vom Fanclub „Eintracht Acht!“ mit den Horden von „Schalke Vier“ prügeln. ( Wie hieße der Vorsitzende des Deutschen ZahlensportVerbandes? Zwanziger?) Ja, und Fußball? Fußball ist ohne Wetten denkbar. Gehört zur Grundversorgung.

Was aber wirklich ohnehin geschieht, das sind die kleinen Auseinandersetzungen unter Ehepartnern über Fragen wie: „Wenn ich Brühe eine Viertelstunde lang koche, sind dann BSE-Erreger tot oder nicht?“ Oder: „Ist ,Nights in white Satin’ von Procol Harum oder den Moody Blues?“ Oder: „War der Gerhard Schröder von der CDU in den Sechzigern Innen- oder Außenminister?“

Natürlich wird, bevor man zum Lexikon greift, bei solchen Anlässen gewettet. Auch bei uns. Aber nicht um Geld! Auch nicht um Schampus. Sondern um „Bringen“. Der Verlierer muss dem Sieger, je nach Abmachung, fünf oder zehn oder zwanzig Mal etwas bringen, Schuhe, ein Glas Wasser, die Zeitung. Sofort. Ohne Bitte und Danke. So eine Wette überlegt man sich gut. Aber man geht sie immer wieder mal ein.

Nun mein Vorschlag: Verbietet das Wetten um Geld! Erlaubt nur noch Wetten um „Bringen“! Das reduziert erstens alle Wett-Einsätze automatisch, denn was hätte die Kroatenmafia davon, wenn der Wettbudenbesitzer ihr drei Millionen Mal etwas bringen müsste, den „Kicker“ oder den neuen „Wetterbericht“, das wäre ja ohnehin irgendwie unrealistisch oder, wie der Mann auf der Straße sagt: „Dit bringt et nich.“

Zweitens würden die Wettbengels sinnvollen Tätigkeiten zugeführt, denn bei Wettverlust würde man sich von ihnen wünschen, dass sie die alte Frau H. aus der Rankestraße zehn Mal über die Straße bringen oder den Hausflur der Senioren-Residenz in Ordnung bringen oder bei kinderreichen Familien den Müll wegbringen. Eine Art ziviler Bringdienst. So könnte aus dem Übel etwas Gutes entstehen, und das Böse, die Geldgier und die Sucht nach Materiellem würden endlich verschwinden.

Unwiederbringlich.

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