Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Wenn man noch mal von vorn anfangen dürfte, beruflich jetzt...

Gestern Hoyzer, heute Fischer, es ist einem zuwider, man möchte sich einer Sache zuwenden, die einen gefangen nimmt, nicht wahr? In der FAZ stand jetzt eine Meldung über Forschungen an Ameisen, die auf Bäumen leben, hohen Bäumen im peruanischen Urwald. Manchmal fallen diese Tiere vom Baum, aber die meisten landen nicht auf dem Boden, sondern es gelingt ihnen, während des Fluges den Stamm anzusteuern und dort zu landen. Zehn Minuten nach dem Sturz sind sie wieder, wo sie vorher waren.

Dem Forscher Yanoviak und seinen Freunden von der University of Texas ist gelungen, herauszufinden, wie die Ameisen das machen: Sie drehen unterwegs den Körper, richten ihren Hinterleib stammwärts aus und fliegen arschvoran in Jförmiger Bahn auf den Baum. Alle. Fast alle. 85 Prozent. Obwohl sie keine Flügel haben. Die Forscher schubsten 120 Tiere aus 27 Meter Höhe. Manchen verschlossen sie die Augen mit Lack, dadurch bekamen sie heraus, dass die Augen eine Rolle spielen. Die geblendeten Ameisen fanden nicht gut zurück.

Was für eine interessante Arbeit. Ameisenschubsen im Wald. Das Ameisenbeobachten gehört ja zu den frühesten Tätigkeiten des Menschen, jedes Kind tut das, und manche machen es dann ihr Leben lang, das sind die Glücklichsten. Früher las ich gern in dem Buch „Erlebnisse mit Ameisen“ von Robert Stäger. Der schildert, wie er herausfinden wollte, ob Ameisen schwimmen können. Legte ein Erlenblatt auf einen Tümpel und setzte eine Rossameise, eine Grauschwarze Ameise und eine Blutrote A. aufs Blatt. Dann beobachtete er die drei – und? Die Rossameise schwamm los, die anderen nicht.

Ja, und es gibt kleine Ameisen, die ein schmerzhaftes Gift besitzen, mit dem sie große Ameisen zwingen, sie zu beherbergen und ihnen vom Essen abzugeben. Es gibt Wüstenameisen, die viele hundert Meter weit vom Bau jagen und dann die kleine Öffnung im Sand wieder finden, unter der sie wohnen. Es gibt Hirtenameisen, die nomadische Landwirtschaft betreiben, indem sie Blattläuse auf jungen Trieben weiden lassen und deren Läusesaft trinken. Wenn die Triebe abgefressen sind, tragen sie die Läuse woanders hin. Manchmal schlachten sie die Viecher auch und fressen ihr Läusefleisch.

Vielleicht ist es nicht richtig, Fallstudien mit Ameisen zu machen, ihnen die Augen zuzulackieren und sie vom Baum zu werfen und dabei noch zu filmen. Vielleicht ist es Ameisenmissbrauch. Aber es muss ein großer Spaß sein. Forschen. Vielleicht kommt was dabei heraus, für die Flugzeugindustrie oder den Roboterbau, wer weiß? Wir sehen immer bloß Zweitligaschiedsrichter fallen oder kleine dicke Minister ihre Joschka-Kurven segeln. Manchmal haben wir sie geschubst, manchmal fallen sie von selbst, aber es kommt nie was Neues dabei heraus, es ist soooo langweilig.

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