Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Weltumrundungen sind groß in Mode, fast wöchentlich umkreist jemand den Globus: die schlaflose Miss McArthur auf ihrem pfeilschnellen Trimaran, NonStopSteve Fossett, der Unentwegte, in einem seltsamen Flugapparat, dann Bruno Peyron aus Frankreich mit seiner Segelcrew. Immer will jemand schneller sein als jemand anders. Oder er möchte mit irgendwas der erste sein. Weil aber die Erde schon mit fast jedem Gerät umrundet wurde (unvergessen: 1901 bis 1904 der Deutsche Johannes Voss in seinem Einbaum „Tilikum“), wird die Sache immer spezieller. Irgendwann ab 2007 will nun Bertrand Piccard unsere kleine Kugel mit einem Solar-Aeroplan umfliegen.

Piccard! Dessen Großvater Auguste war 1931 der erste, der mit einem Ballon in die Stratosphäre aufstieg, 15 Kilometer hoch. Kaum war er da gewesen, begann er U-Boote zu bauen und mit ihnen tief ins Meer zu tauchen. Vier Kilometer schaffte er 1954. Sein Sohn Jacques, Bertrands Vater, ist bis heute Inhaber des Tieftauchweltrekordes, erreicht 1960 im Marianengraben: 11000 Meter! Bertrand selbst wandte sich wieder den Ballons zu, 1999 umfuhr er als erster die Welt in einem solchen. Sich normal auf der Erde zu bewegen, scheint in den Genen der Familie Piccard nicht vorgesehen zu sein.

Erinnert sich jemand an Francis Chichester? Der umsegelte 1966/67 als erster allein die Welt, ein Mann von Stil und britischer Haltung, der seinen 65. Geburtstag allein auf der „Gipsy Moth IV“ im Smoking mit Champagner und Brandy feierte und dann nachts um zwei übel verkatert mit einem Sturm kämpfte. Trotzdem lunchte er in all den Monaten nie ohne Gin. Er hatte Krebs, wusste es, sah aber nicht ein, warum er nicht allein die Welt umsegeln sollte.

Ja, und der berühmte Jean Cocteau (nicht: Cousteau, liebe Freunde) schrieb ein hinreißendes Buch darüber, wie er 1936 auf den Spuren von Jules Vernes Phileas Fogg in achtzig Tagen um die Welt reiste. Unter anderem traf er auf einem Schiff zwischen Hongkong und Japan zufällig Charlie Chaplin. Und den seltsamen Gang der ägyptischen Kamele erklärte er, indem er behauptete, sie seien eigentlich Wassertiere, deren Reptilhals beim Schreiten auf dem Meeresboden über die Flut hinausgeragt habe. Nun sei das Meer in der Sahara verschwunden, aber die Kamele schritten noch immer im Wellenrhythmus.

Übrigens gehört zu den wenigen Lücken in der Bilanz der Weltumrunder, dass niemand die Erde umschwommen hat – obwohl dies seit Jahren gefordert wird. Angesichts der Piccardschen Pläne muss man hinzufügen: Auch ist sie noch nicht umtaucht worden, jedenfalls nicht im Ein-Mann-U-Boot, geschweige denn mit nichts als einem Schnorchel. Zuviel verlangt? Piccard! Bei ihrer Familiengeschichte! Die Weltumschnorchlung. Es gibt viel zu tun. Wir möchten davon lesen.

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