Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Stück für Stück wird die Welt nun doch ein bisschen besser. In der Sesamstraße gibt es zum Beispiel seit Jahrzehnten das Krümelmonster, ein blauhaariges Ungetüm mit Kulleraugen, das bei jeder Gelegenheit mit dem Ruf „Keeekse!“ hervorstürzt und mit gierigen Pfoten eben Kekse in sich hineinschaufelt. Damit ist Schluss. In der neuesten amerikanischen Staffel der Sendung nimmt das Krümelmonster vorwiegend Obst zu sich und sagt ab und zu: „Einen Keks isst man manchmal.“ Ihm zur Seite steht eine sprechende Aubergine als Ernährungsberaterin, die das Krümelmonster den Unterschied zwischen ImmerSpeisen und Manchmal-Speisen lehrt.

Jeder Erziehende wird diese Reform von Herzen begrüßen. Wir alle wissen, dass man von Keksgenuss am ganzen Körper blauhaarig wird und Kulleraugen bekommt sowie nur noch auf sehr reduzierte Weise kommuniziert. Vielen Kindern hätte dieses Schicksal erspart werden können, wenn man das Krümelmonster früher auf Diät gesetzt hätte.

Weitere Reformschritte sind in Vorbereitung. Zum Beispiel lebt in der Sesamstraße auch Oskar in seiner Mülltonne. Oskar liebt Müll. Generationen von Kindern haben von ihm gelernt, in ihren chaotischen Kinderzimmern wie auf Abfallhalden zu hausen – damit wird es nun zweifellos in der nächsten Sesam-Staffel ebenfalls ein Ende haben. Was wir brauchen, ist ein Oskar, der die Ordnung liebt. Man könnte sich vorstellen, dass ihm ein sprechender Aktenordner hilft.

Gleichzeitig wird man sich die „Sendung mit der Maus“ vornehmen müssen, in der ein gewisser Käpt’n Blaubär unserem Nachwuchs Lüge und Übertreibung vorlebt. Blaubär wird nur noch wahre Geschichten erzählen! Ja, er wird als „TV-Botschafter der Wahrheit“ außerhalb der Maus-Sendung zum Einsatz kommen und bei „Christiansen“ jeden Gast zur Rechenschaft ziehen, sobald er nicht die Wahrheit sagt. Nebenbei gesagt, wird „Bernd, das Brot“, der im Kinderkanal nicht Optimismus und Lebensfreude verbreitet, sondern Melancholie und Depression predigt, ein anderer werden. Man erwägt, Bernd durch den einschlägig begabten Guido Westerwelle zu ersetzen.

Darf ich darauf hinweisen, dass Bernd ein Weißbrot zu sein scheint? Es ist unerträglich, aber wahr: Man lässt Tag für Tag ein ungesundes weißes Kastenbrot zu unseren Kindern sprechen! Wo das endet, weiß man. Es wird die Frage sein, ob nicht in allen Kindersendungen Renate Künast eine Hauptrolle als Vollkorn-Monster bekommen sollte, dessen Zentralaufgabe die Erziehung des blauhaarigen Müllfressers Joskar mit Hilfe von Ziegenkäse und Dinkelbrühe sein sollte. Sie würde dabei von einem sprechenden Cerruti-Anzug beraten.

Überflüssig zu sagen, dass im „Tatort“ nur noch gute Verbrecher gewissen Kommissaren helfen, von Fertignahrung und Büchsenbier wegzukommen.

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