Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Tagelang hatte ich mir vorgestellt, wie es gewesen wäre, wenn der große AirbusVogel am Tag aller Tage doch nicht geflogen wäre. Wenn er sich einfach nicht in die Luft erhoben hätte, sondern bloß die Startbahn entlanggesaust wäre, weiter, weiter und weiter, wie ein rasender Emu. Wie dann der Pilot fluchend ausgestiegen wäre, mit dem Fuß gegen das Bugrad getreten hätte, wie die ganze Crew palavernd um ihre Maschine herumgestanden hätte, wie die Franzosen darauf den Deutschen die Schuld zugeschoben hätten und die Deutschen den Franzosen, und wie am Schluss die ganze EU geplatzt wäre wegen dieser Sache.

Er ist dann aber ja geflogen. Man weiß heute einfach vorher, dass ein Flugzeug fliegen wird, dafür gibt es Tests und Computer, in der „Süddeutschen“ stand sogar etwas von einem „bird test“, bei dem fünf in Styropor verpackte, also anscheinend verstorbene Enten ins laufende Triebwerk hineingeworfen werden, um herauszubekommen, ob die Triebwerke das überstehen. Dass die Enten es nicht packen würden, wusste man. Wenigstens sollten sie in Toulouse nun mal einen Enten-Gedenktag einlegen oder ein Entedankfest feiern. Die Enten einfach zu häckseln und zu vergessen, wäre eine Schwanerei. Enten-Barbarei.

Aber der Gedanke, dass man vorher alles testen und probieren kann und damit eben sicher weiß, dass alles klappt – das hat was. Sie haben wirklich an alles gedacht bei Airbus. (Wenn Elche fliegen könnten, hätten sie auch einen Elch in die Turbine geworfen, um zu klären, ob sie elchfest ist.) Man fragt sich, ob man diese Computersimulationen nicht auch in anderen sehr wichtigen Bereichen einführen könnte. In der Politik zum Beispiel.

Joseph Martin Fischer hat sich zum Beispiel wochenlang auf einen einzigen Tag im Untersuchungsausschuss vorbereitet. Und es hat auch alles gut geklappt. Man hat aber nicht gehört, dass er sich mit vergleichbarer Intensität seinerzeit fürs Außenministerium präpariert hätte. Da ist er einfach rein und hat regiert. Und man hat ihn gewählt, ohne zu wissen, ob er das kann.

Die Frage ist nun, ob man nicht Computertestprogramme auch für Regierungsmannschaften entwickeln sollte. Man macht ein paar Vorgaben: Land ist a) hoch verschuldet, Bevölkerung ist b) nur mittel-intelligent, Wetter ist c) vorwiegend regnerisch, Opposition ist d) total verschnarcht. Baut einen Affären-Generator ein und einen Plötzliche-Krisen-Chip. Dann müssen die Test-Kabinette A und B einen Monat lang Computer spielen. Alles wird bei Phoenix übertragen. Am Ende sieht man, bei wem es besser gelaufen ist. Dann erst ist Wahl!

Besonders unfähigen Spielern würde man am Ende nicht sagen, dass alles vorbei ist. Sie könnten am Computer weiter regieren, ohne großen Schaden anzurichten. Viele würden es vermutlich nicht merken, anderen wäre es egal.

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