Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Wahlkampf. Menschen im Strudel der Ereignisse. Da ist Professor Sauer, Fachmann für Elementarreaktionen in käfigförmigen Gitterstrukturen, der sich nun mit einem Schicksal als Kanzleringatte konfrontiert sieht. Und Elmar Brandt, Experte für die Nachahmung von Schröderstimmen: ab September vor dem beruflichen Aus? Schließlich Susanne Knoll, Hausfrau aus Lübeck, die Angela Merkel so verblüffend ähnlich sieht, das plötzlich bei ihr „die Telefone“ (Süddeutsche Zeitung) nicht mehr still stehen.

Apropos: War dies nicht das Ereignis der vergangenen Woche? Dass Frau Merkel sich plötzlich selbst nicht mehr ähnlich sah? Und wir auf allen Photos eine strahlende Frau in Apricot vor einem überaus blauen Hintergrund sahen, mit einer Gestik, einem Lächeln, einer Frisur… War das wirklich: sie? So unfassbar rasant erhübscht?

Es kam der Gedanke, dass alles vielleicht anders war und ist. Dass also jene Frau Knoll im Frühling ihre Merkelähnlichkeit und überhaupt alles winterlich Triste an ihrer eigenen Person satt hatte, sich in die Hände des fähigsten Lübecker Stylisten begab und einer Gesamtauffrischung ihres Habitus unterzog. Während die wahre Angela damit zögerte – es schien Zeit zu sein bis zum großen Kampf 2006. Und dass dann aber Schröder mit der NeuwahlÜberraschung herausplatzte. Worauf man in der CDU-Zentrale beschloss, man müsse nun sehr schnell mit einer neuen Angie auf dem Markt sein, zu schnell selbst für Udo Walz.

Also: Die auf den Bildern – ist Frau Knoll? Während man irgendwo ganz anders und weit im Hintergrund, in Paris oder der Uckermark, noch an der wirklichen Kandidatin modelliert, föhnt, schneidert? Überhaupt fragt man sich bei der Gelegenheit, ob nicht in unserem ganzen politischen Betrieb längst die Doubles an der Macht sind. Könnte es sein, dass sich der wahre Gerd und der wirkliche Joschka bereits früh aus den Amtsgeschäften zurückzogen? Als sie nämlich bemerkten, welche unzumutbaren Anstrengungen das Regieren mit sich bringt, welche Entfremdung vom Toskana-Leben? Wäre es nicht möglich, dass dies der Grund dafür ist, dass in diesem Land nichts mehr klappt? Dass die echten Profis auf ihren Latifundien im Süden weilen, während ihre Darsteller gegen Honorar die Geschäfte führen? Vielleicht sind wir deshalb seit Jahren so seltsam irritiert beim Blick auf das politische Geschehen, ohne zu wissen warum. Ohne uns dies’ eigenartige Gefühl erklären zu können.

Ja, alle sind sie damals wie Lafontaine blitzeschnelle aus den Ämtern gezischt – nur gab es für den Saarländer kein Double, er duldete nie jemand neben sich, das war sein Fehler. Leute! Nichts ist mehr, wie es scheint. Nur noch Müntefering ist original, doch auch das ist schrecklich. Wer aber ist in Wahrheit der Dicke, der uns seit so vielen Jahren den Außenminister macht?

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