Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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1996 hat jemand eine statistische Untersuchung gemacht, deren Ergebnis war: In den USA gab es in jenem Jahr 10907 Unfälle mit Putzkübeln, bei denen Menschen zu Schaden kamen, hingegen wurden nur 18 Personen bei Zwischenfällen mit Haien verletzt. Trotzdem ist nach wie vor alle Nase lang von der Gefährdung des Menschen durch Haie die Rede, gerade wieder hört man von einem Weißen Hai, der vor Kroatiens Küste mit frisch geputzten Zahnreihen auf Opfer wartet, und in Florida sind drei Teenager von Haien überfallen worden, eine 14Jährige kam zu Tode. Vom Unheil, das durch Putzkübel tagtäglich angerichtet wird, schweigt die Presse.

Aber erst noch mal zum Haifisch: Wenn man den Leuten glaubt, die sich mit ihm auskennen, ist er im Grunde harmlos. Bisschen neugierig, bisschen doof, neigt zu Verwechslungen. Das Mädchen, das in Florida starb, paddelte auf einem Schwimmbrett; so was ist immer gefährlich, weil Haie Schwimmbretter und Schildkröten nicht auseinander halten können, und Schildkröten beißen sie nun mal gern die Beine ab und den Kopf, wenn es sich so ergibt. Menschenfleisch jedoch mögen sie nicht, es ist ihnen nicht fett genug, und sie spucken es aus, bloß nützt einem das nichts, wenn man mit einem vom Blauhai ausgespuckten Bein unter dem Arm in warmem Salzwasser liegt – und kein Chirurg weit und breit.Vor Haien kann man sich schützen. Wenn man badet und ein Hai kommt: ruhig bleiben, versichern alle Hai-Experten. Sich senkrecht im Wasser positionieren, weil Haie senkrechte Objekte nicht kennen. Auf ihn zuschwimmen? Okay. Manche schlagen ihm sogar auf die Schnauze, andere drücken seine Augen ein, das ist aber umstritten, manchen ekelt es auch. Hat der Hai zugebissen, nicht vergessen: Er macht bloß einen Geschmackstest und lässt gleich wieder los.

Übrigens: Man muss nicht im Meer baden! Man kann Haien aus dem Weg gehen – anders als dem Putzkübel. Ihm begegnet man täglich. Er lebt in Wohnungen. Er verbirgt sich in Kammern. Doch plötzlich: Sein Rachen gähnt uns an. Oder er tarnt den Schlund mit Putzlappen. Man steigt mit dem Fuß versehentlich hinein. Man rutscht auf Seife aus. Man bricht sich dies und jenes.

Würde jeder Putzkübel-Unfall in den Zeitungen so groß aufgemacht wie ein Hai-Biss, die Menschen würden durch ihre Wohnungen schleichen, sie würden mit Stöcken nach herumstehenden Putzkübeln schlagen, im Abenteuer-Urlaub würden sie sich in Käfigen aus Titan an Putzkübel heranschieben lassen. Spielberg würde „Der Weiße Eimer“ drehen, und in der Bibel hörten wir von Jona, der drei Tage und Nächte im Bauch eines Scheuereimers lebte und von dort mit blecherner Stimme zum Herrn betete.

Aber nichts von alledem. Irgendwo vor Kroatien schwimmt schüchtern ein Hai, aber hier, gleich im Schrank, wartet das Grauen.

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