Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Für öffentliche Liebeserklärungen stehen dem gemeinen Mann seit jeher Parkbänke zur Verfügung, in die er Herzen ritzt und Worte, „Gerd liebt Doris“ oder so. Liebhaber von Format mähen solche Sätze in ein Maisfeld, um dann mit der Herzensdame einen Rundflug zu buchen, bei dem sie beim Blick aus dem Fenster… Zu schön! War es nicht Gunther Sachs, der aus dem Hubschrauber tausend Rosen auf das Haus von Brigitte Bardot warf, um sie von seiner Liebe zu überzeugen? Und das gelang! Öffentlichkeit gibt jeder Liebeserklärung Größe, der schwer zu widerstehen ist, das macht die Sache so beliebt. Man kann kein Fußballspiel mehr ansehen, ohne dass Torschützen ausgiebig Eheringe kosen – die den Regeln zufolge zum Schutz der Kontrahenten mit Pflaster abgeklebt sein müssen, das gibt der Sache Komik. Aber die meisten Frauen wissen das gar nicht.

Wenn man die Sache systematisieren möchte, lassen sich vier, fünf Kategorien öffentlicher Liebeserklärungen unterscheiden. Zuerst die nüchterne Feststellung. Da wäre Gustav Heinemann zu nennen mit seinem „Ich liebe nicht den Staat, ich liebe meine Frau“, auch Johannes Rau („Ich liebe Menschen, vor allem meine Frau...“). Zweitens: das rauschhafte Bekenntnis, eine Angelegenheit von Männern wie Rudi Scharping. Drittens der Dank, wie man ihn beim Oscar erlebt oder im Sport – Michael Stich brachte mal zuerst seine Frau, dann das ganze Stadion zum Weinen, als er, einen Pokal im Arm, seine Liebe zum Ausdruck brachte. Am weitesten verbreitet ist die Verzeihmir!-Erklärung, deren Protagonisten Beckham heißen oder Clinton – Männer, die ihren Hang zum Personal mit öffentlichen Bekenntnissen sozusagen büßten. Unvergessen Herr Friedman, der eine Pressekonferenz veranstaltete, um zu sagen: „Bärbel Schäfer, die Frau, die ich von tiefem Herzen liebe und mit der ich meine Zukunft gestalten will…“

Ein Wort zu Schröder. Alles, was einem vom großen Fernsehgespräch wirklich in Erinnerung geblieben ist – genau! Doris. Man fasst es nicht. Wir stecken bis zur Oberlippe in Problemen, und was man sich von so einer Sendung merkt, ist am Ende: „Das ist nicht zuletzt der Grund, warum ich sie liebe.“ Bekenntnis aus Kalkül: fünfte Kategorie! Kenner erinnern sich, dass Schröder mal bei der Präsentation eines Video-Handys mit seiner Frau öffentlich telefonierte und sprach: „Ich sage mal das, was ich am liebsten sage: Ich liebe dich.“ Hö. Er chargiert wirklich hemmungslos. Heißt dieses öffentliche „Ich liebe sie“ übrigens nicht letztlich: „Liebt mich!“? Wer mag nicht Männer, die ihre Frauen lieben? Als Nächstes wäre ein öffentliches Bekenntnis zur Selbstliebe schön. „Wissen Sie, Frau Christiansen, das ist nicht zuletzt der Grund, warum ich mich über alles liebe.“ Andererseits muss er das nicht sagen. Man merkt’s auch so.

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