Politik : Und was mache ich jetzt? Von Axel Hacke

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Nebenbei gesagt, ist es nicht uninteressant, wie das Lachen des Schröder in den vergangenen Tagen unisono von verschiedenen Reportern beschrieben worden ist. Zunächst stand in der „Süddeutschen“, der Kanzler habe in Saarbrücken „sein gewohntes Raubtierlachen“ gelacht, zwei Tage später hieß es in der „FAZ“, Schröder solle bei einem Treffen mit Gewerkschaftern in Berlin „sein Lachen gelacht haben, welches ehedem gerne als Wolfslachen beschrieben wurde“. Man stutzt insofern, als bisher gar nicht bekannt war, dass Raubtiere, in Sonderheit Wölfe, lachen können. Wobei es natürlich sein kann, dass Raubtiere jeden sofort auffressen, der Zeuge ihres Lachens wird, so dass nie ein Mensch Gelegenheit hatte, zu berichten, er habe einen Wolf „sein gewohntes Schröderlachen lachen“ sehen.

Wobei, Moment… Hyänen lachen. Jedenfalls machen Tüpfelhyänen ein Geräusch, das an Lachen erinnert, „ein wahrhaft fürchterliches Gelächter“, schreibt Brehm, „wie es die gläubige Seele und die rege Fantasie etwa dem Teufel und seinen höllischen Gesellen zuschreibt, scheinbar ein Hohnlachen der Hölle selbst“, das im Übrigen „eine gewisse Wollust des Tieres ausdrücken solle“. Blöderweise lachen Hyänen vor allem, wenn sie Beute gerissen haben, locken durch ihr Freudengeräusch wiederum Löwen an, die das Hyänenrudel verjagen und ihm das Fleisch wegfressen, wobei die Löwen todernst zu Werke gehen, und die Hyänen ihrerseits finden’s auch nicht lustig. Trotzdem lachen sie nächstes Mal wieder, wer weiß warum.

Ansonsten ist das Lachen bei Tieren gerade desto häufiger, je weniger raubtierhaft sie sind. Darwin beobachtete, wenn man junge OrangUtans kitzele, „so grinsen sie und machen ein kicherndes Geräusch“. Auch frisch gekitzelte Laborratten lachen, man las vor einer Weile in der Zeitschrift „Nature“ etwas über entsprechende Arbeiten des Neurowissenschaftlers Panksepp in den USA. Und Thomas Mann besaß einen Hühnerhund namens Bauschan, auch er nicht wirklich ein Raubtier, aber des Lachens fähig. Mann fand es, wenn er Bauschan neckte, ergreifend zu sehen, „wie in der schwärzlichen Miene der Kreatur der physiognomische Ausdruck des menschlichen Lachens oder doch ein trüber, unbeholfener und melancholischer Abglanz davon erscheint“.

Man grübelt noch, wie sich nun das Schröderlachen unter Berücksichtigung zoologischer Erkenntnisse angemessen beschreiben ließe (hyänen-, ratten- oder hühnerhundhaft ist es ja wirklich nicht), da fällt einem die neueste Ausgabe von „Men’s Health“ in die Hände, darin eine Umfrage: In welchen deutschen Städten Männer täglich am längsten lachen. Erster Platz Köln, letzter Platz Chemnitz. Dazwischen auf 19 Berlin und erst auf Rang 36 Hannover, eine Rangfolge, die sich nun verändern könnte, wenn ein großes, wie auch immer geartetes Lachen von Berlin aus westwärts zieht.

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